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Robin Renitent, 29.  Dezember  2007

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

 

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Die Gesetze hatten wir für UNS geschrieben 

 

Denn Tod ist elementar; das Einzige, was uns sicher ist.

 (Ernest Hemingway)

 

Als ich vor vielen Jahren „Tod am Nachmittag“ von Ernest Hemingway las war ich begeistert. Die detaillierte Schilderung der Vorbereitungen, des Kampfes, das Leben der Matadore. Für einen Berliner Schüler, der Stiere allenfalls aus dem Fernsehen kannte, und ansonsten lediglich im Urlaub Kühe auf Weiden gesehen hatte, war diese Begeisterung vermutlich ungewöhnlich. Klassenkameraden lasen anderes.

 

Ich begann mich, natürlich nur theoretisch, mit dem Stierkampf näher zu befassen und las ergänzende Bücher. Nach einer Weile war für mich Stierkampf gleich Spanien und Spanien gleich Stierkampf. Später las ich viele Romane die in Lateinamerika oder Mexiko spielten und das ganze kulturelle Umfeld übte stets eine starken Reiz aus mich aus. Geplant ist, nach unserem Aufenthalt in Israel, auch für 2 Jahre nach Mexiko oder Chile zu gehen.

 

Die EU machte mir von Anfang an zu schaffen. Sehr schnell merkte ich, dass die im Grunde faszinierende Idee eines friedlichen Europa, von der EU korrumpiert wurde und nur am Rande eine Rolle spielte. Unter dem Deckmantel dieser Idee wurden und werden, vor allem von einer demokratisch nicht legitimierten Superbehörde, Regeln und Verordnungen erlassen, die tief in das Leben des einzelnen Europäers eingreifen. Auch positiv Gestimmte können das so nicht gewollt haben. Ein ganz wesentlicher Vorwurf aber, den ich der EU mache, (andere scheint das gar nicht so zu stören), ist die Zerstörung nationaler Identitäten zugunsten eines  egalisierten Europa, in dem vom Nordkap bis Sizilien die gleichen Normen herrschen.

 

Als Deutscher nenne ich natürlich, weil griffig, den Kampf um das Reinheitsgebot des Bieres von 1516. Aber auch Spanien, so erinnere ich mich genau, kam in die Diskussion wegen seiner Tierschutzgesetze und der Stierkämpfe. Sie entsprachen nicht der europäischen Norm. Warum aber sollten sie? Die Tradition des Stierkampfes gibt es seit 250 Jahren.

 

Ich bin mir bewusst, dass ich mir, mit der Befürwortung des Stierkampfes, nicht viele Freunde machen werde. Das ist mir schnurz. Aber ich wähle dieses Beispiel aus einem ganz anderen Grund. Die Frage ist, die wir uns zu stellen haben, wieweit dürfen wir, oder eine supranationale Behörde, von außen in die kulturelle Identität eines anderen Volkes eingreifen. Oder auch anders: Wie weit können wir es zulassen, dass unsere Identität verändert wird.

 

Auslöser all dieser Überlegungen ist das Bild des Afghanen, der sich eine 11jährige Frau gekauft hat. Die er demnächst heiraten und vermutlich schwängern wird. Die Presse spricht von vergewaltigen. Ich habe gesurft: Die weltweite Empörung über diese Akt der Grausamkeit ist unisono. Kein Medium, kein Blog der das rechtfertigen würde.  Leon de Winter, den ich sehr schätze, schreibt in seinem Essay:

 

"Es gibt Menschen, die dieses Bild ansehen und einfach weiterleben können. Ohne Ekel, Brechreiz und Wut. Was wir sehen, ist heftigste Barbarei."

 

Da hat er recht. Aus unserer Sicht absolut recht. Und als Vater einer 30 jährigen, besonders aber 8 jährigen Tochter sehe und empfinde ich genau so. Ist es nicht unvorstellbar, dass wir so etwas mit unseren Töchtern zuließen?

 

Und dennoch. Es bleiben Fragen. Leon de Winter schreibt:

 

"Gleichzeitig realisiert das Mädchen, dass es nicht richtig ist, was ihm widerfährt. Vielleicht denkt sie, es sei "natürlich", als junges Mädchen verkauft zu werden, aber sie weiß auch, dass es nicht gut oder rechtmäßig ist, dass sie den Rest ihres Lebens als Sklavin dieses Mannes verbringt. Es ist eine Art von Wissen, das über Erfahrung hinausgeht, ein Wissen, das in der Menschlichkeit, den Träumen und Hoffnungen des Mädchens wurzelt."

 

Woher weiß Leon de Winter das? Hat das Mädchen ihm das gesagt, hatte er die Chance sie zu befragen? Das Foto beeindruckt, die schönen Augen des Mädchens schauen zu dem Mann. Das ist es was der Betrachter sieht. Als leidlicher Fotograf und jemand der auch seine Kinder fotografiert, weiß ich natürlich, dass der Gesichtsausdruck sich in Sekunden ändert. Wenn man die Kamera auf Serie stellt kann man zig Fotos hintereinander schießen. Mit etlichen Variablen, wie veränderter Beleuchtung etc.  Wir wissen nicht, wie viele Aufnahmen Stephanie Sinclair geschossen hat. Jedenfalls hat sie das Foto ausgewählt, das sicherlich am meisten beeindruckt. Und das tut es.

 

Aber lassen wir mal die von der Presse vorgegebenen Interpretationen weg. Was sehen wir wirklich. Ein Mann, ein Kind. Beide sitzen auf dem Boden (Herr Gott, nicht mal Stühle….) und dahinter sind zwei Kissen und ein Vorhang.

 

Gedankensprung in eine Illusion, aber eine vorstellbare: Vor einigen Wochen landete ein Raumschiff genau hinter unserem Ort. Laserbewaffnete Soldaten eines fernen Planeten haben unsere Gegend umstellt, auf den Bergen Beobachter aufgestellt, die öffentlichen Gebäude okkupiert und etliche Widerständler getötet. In der vorigen Woche nun kam der entscheidende Akt. Auf einer Versammlung im Stadion, in das alle Bürger mit „Nachdruck“ getrieben wurden, las der Kommandante des Raumschiffs den Bürgern aus dem neuen Rechtsbuch vor. Dieses Rechtsbuch, seit Jahrhunderten auf dem fremden Planeten erprobt und angewendet, solle nun auch ab sofort in unserem Lande Gültigkeit haben.

 

Schon nach wenigen Minuten wusste ich, das diese neuen Normen sich ganz wesentlich von unseren unterschieden. Nichts, aber auch gar nicht hatten diese Gesetze mit unseren gemein. Es waren komplett andere sittliche, religiöse, moralische, etische Standards, die wir widerspruchslos zu übernehmen hatten.

 

Noch in der Nacht ging ich mit meiner Frau, meinen Kindern, Freunden und Nachbarn in die Geheimhöhle, hinten, hinter den Bergen. Gut, das wir vor langer Zeit ein Waffenlager angelegt hatten. Am nächsten Morgen erschoss ich 4 außerstellare Wachtposten. Ich war jetzt ein Geächteter, aber ich würde dafür sterben die Ehre meiner Frau, meiner Kinder, unsere Moral und Sitten zu verteidigen. Wieso sollte ich die des Planeten X übernehmen?

 

Also konkret: Ich suche den Kampf nicht. Ich möchte nur so weiter leben wie immer, mir gefällt’s. So haben schon meine Eltern und Großeltern gelebt und deren Eltern und Großeltern. Nur die technische Ausstattung hat sich verändert (statt Rubbelbrett nun Miele, statt Pferd nun Auto) und das allgemeine Wissen. Aber man lässt mich nicht. Man will mein Leben verändern - gewaltsam. Ich habe das Recht mich zu verteidigen. Wer will es mir absprechen? Niemand den ich kenne, nur die Okkupanten.

 

Also erschieße ich jeden der sich mir in den Weg stellt. Es ist mein, es ist unser Freiheitskampf. Der Kampf um unsere Lebensform.

 

Zurück zum Stierkampf. Ist es nicht eine Anmaßung von uns, den Spaniern sagen zu wollen was Tierschutz ist? Ihnen den Stierkampf zu nehmen? Ausgerechnet wir, die wir noch vor einigen Jahrzehnten und teilweise auch heute noch, in schlagenden Verbindungen, uns gegenseitig mit dem Degen die Fresse verunstalteten?

 

Ist es nicht eine Anmaßung von uns, den kanadischen Robbenschlächtern, die ebenfalls Frau und Kind ernähren müssen, in ihr Handwerk zu pfuschen und das Keulen von Robben zu verbieten? Wir, die wir Robben nur aus dem Zoo kennen? Wir, die wir Robben so süß finden weil sie dem Kindchenschema entsprechen, das an unseren Emotionen rüttelt? Aber nicht an unserem Verstand?

 

Ist es nicht eine Anmaßung sondergleichen unsere Vorstellungen von Herrschaft und Demokratie den Paschtunen aufzudrücken? Ihre Stammestraditionen, Riten und Gebräuche hinwegzufegen und durch unsere zu ersetzen? Denen, die, wie Leon de Winter schreibt, das Wort Liebe

 

ein Wort aus fernen Gedichten und Liedern, ein Wort aus dem dekadenten Westen, (ist) wo sie keine Ahnung haben von der Härte einer Existenz in der Wüste und vom unaufhörlichen Krieg, der die Essenz des Lebens ist, in diesem Teil der Welt.“

 

Ich weiß nur eines. Wäre ich ein Taliban, (Gottlob wurde mir die Gnade zuteil im Westen geboren zu sein, ja westlich der Mauer…), also wäre ich ein Taliban, ich würde die Okkupanten meiner Berge mit Unverständnis anschauen. Und ich würde mich ihrer erwehren. Mit aller Gewalt und ohne Schonung. Ich würde die mir versprochene Jungfrau mit Wonne nehmen und mich fortpflanzen um meinen Samen weiterzugeben, meinen Stamm zu erhalten. Und da ich heute über mehr als einen Knüppel verfüge, würde ich meine Kalashnikov einsetzen, meine Panzerfaust und meine Handgranaten. Und es wäre mir egal, warum sollte es mir nicht egal sein, ob ich Amerikaner, Deutsche oder Briten töte.

 

Denn ich will leben wie ich will, essen was ich will, vögeln wen ich will und mein Feld bestellen.

 

Denn wenn ich mich nicht wehre, kommen sie und bringen ihre Gesetze mit, die nicht meine sind. Und ich fürchte um den Fortbestand meines Stammes. Und wir werden weniger Kinder haben, so wie die Deutschen auch weniger Kinder haben. Und am Ende kommt die PETA und ich darf im Winter keinen Pelz umhängen, soll vegan leben und meinen Hammel nicht mehr schlachten.

 

Und wäre ich Amerikaner würde ich mich der illegalen Eindringlinge erwehren. Die, die von Süden kommen. Und beträten sie mein Grundstück hätten sie ein Loch – genau zwischen den Augen im Kopf.

 

Und auch als Deutscher ist es mein Recht mich zu wehren. Gegen eine Veränderung des wundervollen, durch die Aufklärung, Bildung und Erziehung gepflegten Wissens um Menschenrechte, um Frauenrechte, um Demokratie und Achtung wie wir sie verstehen. Wehren gegen Minarette, Moscheen und Machtzentren einer fremden landesuntypischen Ideologie namens Islam. So wie ich mich, wie wir uns gewehrt haben gegen den Kommunismus und eine kommunistische Okkupation.

 

Und jetzt gilt es an mehreren Fronten zu kämpfen. Denn es sind neue Feinde die uns verändern wollen. Die Eingreifen wollen, die ihre Normen und Vorstellungen mitbringen, die nicht die meinen, nicht die unseren sind. Nicht, das ich nicht einige säkulare Muslime als Nachbarn haben könnte, ja sogar einen EU-Beamten würde ich ertragen.

 

Aber es sind nicht ein Nachbar, nicht ein harmloser Beamter. Es sind Systemveränderer. Feinde, die uns ihre Lebensformen aufzwingen wollen. Die uns unsere Identität rauben wollen. Feinde, die ihre Rechtsbücher mitbringen. Wie der Kommandante vom anderen Planeten.

 

Deshalb: Ja, das Foto beeindruckt auch mich. Es ist ein schönes Foto, ein Foto das viele Geschichten erzählen kann. Aber, es gibt viele interessante Fotos. Wurde dieses von der Unicef ausgewählt um den Verbleib der Truppen, die Besetzung des Landes zu legitimieren? Um uns besoffen zu machen, an unseren Bauch zu appellieren, uns aufzufordern unsere Empörung rauszuschreien? Um uns aufzufordern das Mädchen diesem „Wüstling“ und allen "Wüstlingen" zu entreißen?

 

Leon de Winter:

"Ich habe keine Ahnung, wer wir sind. Aber ich weiß, dass unser Universum - das nicht nur das Universum von iPods, Disneylands, CO2-Belangen, Steuerabschreibungen und den Neujahrsrabattaktionen in unseren Department Stores ist, sondern auch das Universum von Menschenrechten - dass dieses Universum in seinem tiefsten Inneren getroffen worden ist vom Leiden dieses einsamen, sehr einsamen Mädchens."

Ich habe eine Ahnung wer wir sind. Wir glauben an die Menschenrechte. Und wir werden sie verteidigen – als Teil unseres erlernten, unseres verinnerlichten Ich. Bei UNS – immer und stetig.

 

Aber wir werden auch die Freiheit verteidigen. Die Freiheit unser Gesetzbuch für das für UNS richtige zu halten. Denn die Gesetze hatten wir für UNS geschrieben.

 

Und die Spanier für sich.

 

Und die Paschtunen für sich.

 
   

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