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Die EU in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf
Janz Berlin ist eine Wolke. „Alle“ feiern. „Hunderttausende“ schreiben
die Mainstreammedien. Ich glaub’s ja, als Berliner weiß ich, wo’s was
zu feiern gibt sind die Berliner dabei. Letztlich ist es ihnen auch
wurscht worum es geht. Hauptsache es ist was los. Insofern relativiert
sich die Begeisterung. Berliner sind schnell zu begeistern. Da genügt
ein kurzer Blick in die Geschichte. Hatte der Kaiser Geburtstag
feierte „janz Berlin“ und meine Großmutter bekam als kleines Mädchen
ein neues Kleid. Und später dann feierte man im Berliner Sportpalast
die markigen Reden eines kleinen Komplektikers. Auch wenn Ernst Reuter
auftrat feierte man, das habe ich im Kinderwagen erlebt, und als
Kennedy sich zum Berliner machte war man total aus dem Häuschen. Ich
als Teenager auch.
Na und dann feierte man den Fall der Mauer, die Wiedervereinigung und
die Love-Paraden. Da kann es noch so düster aussehen, der Arbeitsplatz
wackelt, der Kredit wurde gekündigt, die Frau lässt sich scheiden. Es
wird gefeiert was das Zeug hält.
So gesehen ist die EU-Feierei nichts besonderes. Es natürlich ein
„historisches“ Datum. In der Verwendung dieses Terminus können
Journalisten ja in einen Wettbewerb eintreten. Kein Artikel, keine
Diskussion wo dieser Begriff nicht wenigstens 10 Mal verwendet und
beschworen wird.
Ich schließe mich ausnahmsweise an. Ja, die Feierei für die EU ist
historisch. Im Sinne von etwas was gewesen ist. Man kann es auch
Abgesang nennen. Oder glauben sie ernsthaft daran, dass die EU auch
ihren 100. Geburtstag feiern wird. Schön naiv. Ich wette 100 Dollar,
dass sie nicht mal die nächsten 10 Jahre überlebt. Sollte ich den
Löffel abgegeben haben können sie sich die Knete bei meinen Kindern
abholen. Aber ich bin sicher: Soweit wird es nicht kommen. Wir werden
die 100 Dollar behalten. Denn es ist etwas eigentümliches mit den
Feiereien runder Jubiläen, runder Zahlen. Das waren immer die letzten
Feiern. Die schönen Reden werden schneller Makulatur als der Redner
sein eigenes rundes Datum erreicht.
70 Jahre, auch ein schönes rundes Datum. Die Feierklänge waren noch in
aller Ohren, da versank das Sowjetimperium. Der Rumpfstaat Rußland
schrumpfte auf eine natürlichere Größe, die Brudervölker entrissen
sich der Umarmung und jetzt stellen die Amerikaner sogar Raketen
bei
den lieben Brüdern auf.
Ich sehen noch die Gerontokraten um Honecker auf der Tribune stehen.
Fackelschein, großes Trara, immer wieder zoomt die Kamera die
begeisterten Gesichter junger FDJ-ler heran. Der Rauch war noch nicht
mal verzogen da wurde die DDR, deren Sozialismus keiner haben wollte,
Ochs und Esel jedenfalls nicht, auf der Mülldeponie entsorgt. Das es
einige Esel gibt, die dem nachtrauern, ändern nichts, auch das es
Ochsen gibt, die immer noch von einem besseren Sozialismus träumen.
Denn, wenn Politiker nicht richtig was zu tun haben träumen sie gern.
Und weil sie sich doch lieber in ihrer CO2-Kiste klimafeindlich nach
Hause fahren lassen, als mit der U-Bahn zu fahren, entgeht ihnen ja
auch vieles.
Vielleicht mach Angie ja auch deshalb so viel Druck, weil sie im
Unterbewusstsein spürt, dass auch die EU von sehr begrenzter
Haltbarkeit sein wird. Was sind in der
europäischen Geschichte schon 50 Jahre? Das Verfallsdatum, noch etwas versteckt, kann
man bei gründlichem Rubbeln aber finden. |
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