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Komasaufen
Berlin - Heute Nacht starb ein Berliner
Gymnasiast, der vor einem Monat mit 4,8 Promille ins Krankenhaus
eingeliefert wurde und seitdem im Koma lag. Der 16-Jährige soll bei
einer sogenannten Flatrate-Party in einer Bar, bei der die Gäste zum
Pauschalpreis so viel trinken können wie sie wollen, mehr als 50
Gläser Tequila getrunken haben.
Das ist ein Zitat aus dem
SPIEGEL.
Wer es noch nicht gelesen hat kann dort weiterlesen. Als Vater eines
30 jährigen und eines 11 jährigen Sohnes (und auch zweier Töchter, 31
und 7) mache ich mir zu einer Nachricht wie dieser natürlich meine
Gedanken. „Ganz Berlin ist entsetzt“ heißt es. Nun, mein Entsetzen
hält sich in Grenzen. Ich bedauere besonders die Eltern, die, wenn sie
ihren Sohn auf ein Gymnasium geschickt haben, nicht ganz
uninteressiert an der Entwicklung ihres Sohnes gewesen sein können.
Ich vermute mal, ohne den tatsächlichen Hintergrund zu kennen, dass
sie ihren Sohn vielleicht mit ähnlicher Liebe und Fürsorge aufgezogen
haben wie ich das mit meinen Kindern tue. Insofern ist es besonders
für die Eltern erschütternd: Alles umsonst!
Der Knabe war also Gymnasiast. Kein Ahnung ob er ein guter Schüler
oder schlechter Schüler war. Aber wenn er den Sprung aufs Gymnasium
geschafft hat kann er zumindest nicht ganz blöd gewesen sein.
Jedenfalls was die Lernintelligenz betrifft. Seine
Verhaltensintelligenz jedenfalls war nicht entwickelt und sein Wille
zu überleben auch nicht. Mit anderen Worten er war saublöd. Das ist
hart, aber es entspricht der Wahrheit. Auch ich habe meine
Möglichkeiten bis an die Grenzen des gerade noch vertretbaren
ausgelotet. Das ist das Recht (und die Pflicht) eines jeden
Jugendlichen. Aber es gibt Instinkte, Verhaltensintelligenz, die einen
geistig gesunden Menschen, mit Selbstwertgefühl und altersmäßig
abgestufter Verantwortung, vor dem Absturz bewahren. Bei einem
Verhalten wie der Jugendliche es hatte, totaler Unreife, ist zu
vermuten, dass seine Verhaltensintelligenz auch in anderen Fällen
versagt hätte. Mit anderen Worten: Er war nicht überlebensfähig.
Einsichten wie diese haben Popularität erheischende Politiker
natürlich nicht. Deshalb fordern sie nun publikumswirksam alle
möglichen Restriktionen, Kontrollen, Gesetzesverschärfungen und sie
sondern ab, na eben, den ganzen verbalen zu erwarten Schaum, den sie
immer in solchen Fällen produzieren. Als ob Verschärfungen was helfen
würden. Als ob alle Gesetze gegen Drogen geholfen haben. Wer sich
umbringen will tut das, ob mit oder ohne Gesetz. Ich weiß wovon ich
Rede, mein Bruder ist seit 34 Jahren drogenabhängig.
Es ist wie immer der falsche Ansatz. Man muss Menschen nicht weniger
zutrauen, sondern mehr. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Und
Kinder sind Menschen. Ich bin im Internet erheblich kritisiert worden
weil ich meinen Sohn
mit
Waffen hantieren lasse. Aber wo sollen junge Menschen heute
Verantwortung lernen. Beim Gameboyspielen? Die Welt unserer Kinder
bietet keine Herausforderungen mehr. Erzählen sie mir jetzt nicht das
das Erreichen des nächtens Gameboylevels eine Herausforderung wäre.
Lachhaft. Kinder wachsen in einer mit Zeichen- und Logos- und Regeln
regulierten Welt auf in der jeder Schritt vorhersagbar ist. Wo
Erwachsene sich gegen jedes Risiko versichern und niemand mehr bereit
ist Verantwortung zu übernehmen. Alles wird mit Geld reguliert,
allenfalls eine Erhöhung der Versicherungsprämie droht. Wer will eine
solche Welt? Ich nicht. Also kann ich sie auch nicht meinem Kind
zumuten. Sich und sein Leben selbst zu managen, sich zu befreien aus
dem Regelwerk ist ja nicht nur ein jugendlicher Wunsch. Er ist für
jeden freiheitsliebenden Menschen ein überlebensnotwendiger Wunsch
und ein notwendiger Schritt.
Aber lernen Kinder und Jugendliche überhaupt noch was Freiheit ist?
Ich meine den Wert der Freiheit zu erkennen? Nein. Und deshalb halten
sie es bereits für Freiheit sich mit 53 Tequila voll laufen zu lassen.
Lassen wir sie saufen, gelegentlich, begleitet und mit der Erziehung
zur Selbstkontrolle. Diese Erziehung kann nicht erst mit 18 einsetzen
meine Herren von der CDU und Herr Mario Czaja.
Denn Erziehung muss früh beginnen. Sehr früh. Denn dann kommt auch das
Erkennen früher. Auch das Erkennen von Gefahren. |
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