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Robbi
und Robba (click)
Menschen mögen im Allgemeinen
Kinder. Wenigstens so lange sie klein sind. Möglichst Babys.
Dann kommen alle, schenken einen Strampler, sagen, „ganz der Papa“
oder ähnlich intelligentes Zeug. Sie ergötzen sich an den süßen,
weichen, runden Formen und den großen Augen. Wenn die Gören wachsen
und ne Lederjacke wollen, kommt niemand. Aber gerade jetzt wäre
es nett. Auch wenn sie mit Stimmbruch rumgrölen, mit den Mopeds
knattern oder dämliche Bemerkungen machen kühlt die Begeisterung
rapide ab.
Also bleiben wir bei den Babys. Gibt natürlich Leute die schmeißen
ihre Babys aus dem 10. Stock. Oder werfen es in den Mülleimer.
Aber das sind, gottlob noch Ausnahmen. Vorläufig jedenfalls.
Die Bildzeitung hat ein Thema und kann die Empörung drucken.
„Schrecklich“, sagen die Leute. Dann gehen sie Einkaufen. Ein
Sozialreferent wird gefeuert, oder wenigstens in die Bauabteilung
versetzt. Nachbarn legen Blumensträuße vor die Haustür. Die Mutter
oder der Vater des zermantschten Babys haben ihren 3 Tage Ruhm und am
Prozesstag, Monate, später kann man alles noch mal für 3 Tage
medial aufkochen. So richtig aus dem Sessel kommt deswegen aber
niemand.
Anders sieht es bei den
Robben aus. Jedenfalls solange sie Babys sind. Das rührt uns
an weil sie „so niedlich“ sind. Einfach süß. Nach Konrad
Lorenz und seinem Schüler Irenäus Eibl-Eibesfeld ist unsere
Zuneigung für Robben, Biber und Kaninchen und Kätzchen daran
festzumachen, das sie unseren menschlichen Babys ähneln. Zum
knuddeln. Wenn es sich um eine Babyschlange, eine Babyvogelspinne,
ein Babychamäleon handelt kennt unsere Begeisterung schon Grenzen.
Aber sowenig wie es uns vergönnt ist Robben zu knuddeln, sowenig hat
der Normalmensch Zugang zu Vogelspinnen.

Wir kennen sie also überwiegend von Fotos, die süßen
großäugigen Robben. Oder aus der Glotze. Manchmal aus dem Zoo.
Sonst laufen sie uns eher selten über den Weg und ich kann mich nicht
erinnern je ein Robbenbaby in der U-Bahn gesehen zu haben. Aus dem
Hochhaus werden sie auch kaum geworfen, die Robbenbabys. Und doch
bewegt uns ihr Schicksal so ungemein. Jedenfalls mehr als zum
Beispiel das Schicksal der Kinder der Fischer. Der Fischer, die
ihre Existenz dort haben, also Fische fangen, wo auch die Robben
wohnen.
Und so sehen wir weltweite Proteste selbsternannter Robbenretter,
hoch motiviert, allein, zusammengeschlossen in Komitees, NGO’s und
Protestverbänden, die gegen das Keulen der Robben aufstehen. Aufstehen
wie ein Mann. Die sich wütend, und da kann man ja richtig wütend
werden, in den verbalen und medialen Protest stürzen wie seinerzeit
die europäische Jugend begeistert in den ersten Weltkrieg. Ganz
unentwegte Berufsprotestler fliegen sogar umweltschonend nach Kanada.
Präsenz zeigen. Vor Ort. Das beeindruckt. Nur mich nicht.
Haben Sie diese Protestler mal marschieren sehen für die Rechte der
Kinder. Protestieren gegen Hochhausweitewürfe von Babys.
Menschlichen Babys? Oder, dass sie etwa Geld sammeln für die Kinder
der Fischer in der 4. Fischergeneration? Ich nicht!

Denn Emotionen, unser Bauchgefühl, nicht Wissen steuern die
Empörung und das Handeln dieser guten Menschen, dieser Gutmenschen.
Denn sonst wüssten sie das der Robben zu viele sind. Das Robben
keine Deutschen sind, sondern sich kräftig vermehren. Und das
diese Überzahl an Robben nicht die Toilette benutzt, die
Robbenkläranlagen rar sind. Und sie deshalb ins Wasser scheißen
Und da sie keine von Renate Künast abgesegnete Ökokost fressen,
diese Robbenignoranten, haben sie Würmer im Kot. Und verwurmen das
Wasser und die Fische.
Und nun ist das Problem bei den Fischern. Ohnehin fressen Robben
was das Zeug hält. Denn sie wollen dick werden. Des wärmenden
Fettes wegen. Und da es kein McDonald für Robben gibt fressen sie
Fisch. Und Fisch. Und Fisch.
Und die Fischer haben das Problem. Nein sie haben zwei Probleme.
Sie können ihre Fischerboote abwracken und nach 3-4 Generationen
von der Wohlfahrt leben und ihre Babys auch. Und sie müssen
sich der nervensägenden Gutmenschen erwehren.
Die, die die Robben schützen und
nicht die Kinder. |
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