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Die Lachnummer
Gab es mal Zeiten wo man vor seinem Kanzler Respekt haben konnte? Nicht das man ihn liebte, seine Politik nicht zu kritisieren war. Das hatten wir ja nie. Aber wo man ihn, vielleicht weil er Privatleben und Politik trennte, wenigstens etwas achtete. Auch bei gegensätzlicher politischer Meinung? Gab es
nicht Zeiten wo der Kanzler das Gefühl hatte, mitbekommen hatte, auch eine pädagogische Vorbildfunktion zu haben? Wo er sich, wenn er vielleicht auch am Kabinettstisch eine opportunistische Politik betrieb, in seiner Ausstrahlung nach außen doch um Integrität bemühte. Wo Kanzler Politik machten, und nicht private
Eitelkeitsprozesse führten? Lange vorbei. Ich hatte ja immer geglaubt, daß nach einem gescheiterten
Postkartenmaler nun keine Parvenüs mehr in die deutsche Politik bestimmend einziehen. Ich Naivling. Ein jüngeres Beispiel eines hemmungsloses Opportunisten und sich an die Machte geschauspielerten Politikers war ja unsere aller Gerhard Schröder. Jetzt Gasprom-Manager und Prozesshansel. Schaue ich zurück und soll meinen Enkeln
eines Tages von dieser Zeit deutscher Geschichte unter Gerhard Schröder erzählen bleibt er mir schemenhaft in Erinnerung als ein Mann der besonders durch Ehegeschichten, Haarfärbeprozesse und Dementis die Headlines seiner Zeit bestimmte. Eine Möchtegernpersönlichkeit, die mit Blindenbinde am Arm ab und zu rief: „Ich bin auch noch da!“
Blind war er im Umgang mit Putin, er hielt seinen Freund „für einen lupenreinen Demokraten“, blind war er in Tschetschenien
und im Nahen Osten. Die Beispiele seiner Blindheit sind zahlreich und jedem der die deutsche Politik aufmerksam und nicht durch die getönte Brille der Sozis gesehen hat, auch aufgefallen. Aber Gerhard war nicht nur blind. Wie viele Menschen, die ein Handikap haben versuchte er es zu kompensieren. Profilneurotisch versuchte
er uns seine Antiamerikapolitik als weise, friedliebend und umsichtig zu verkaufen. Und immer, wie in dem Märchen vom Hasen und Igel, mit dem Ausruf „Bin schon da!“
Nun ist er nicht mehr Kanzler sondern versucht sich als Gasprom-Manager. In diese Parklücke für Politrentner, die mit sich, ihrer Ische und ihrem alternden Leben sonst nichts anzufangen wissen, durfte er mit Hilfe seines Freundes Putin einparken. Was er da genau macht weiß kein Mensch, aber es klingt
wenigstens wichtig. „Ich bin auch noch da!“ hören wir nun wieder. Diesmal durch eine verstärkende Lärmtüte namens Michael Nesselhauf, Anwalt in Rentners Diensten. Der soll Guido Westerwelle verklagen. Ein Mann nicht weniger profilneurotisch als Gerhard, aber wo er recht hat er recht und so soll er nicht mehr
sagen dürfen:
„Und natürlich gönne ich auch Gerhard Schröder jeden Rubel. Ich finde es allerdings problematisch, daß er als Bundeskanzler einer Firma einen Auftrag gegeben hat und dann wenige Wochen nach Amtsübergabe in die Dienste eben jener Firma tritt.“
Natürlich gönnt er Gerhard jeden Rubel und bedauert heimlich, daß der nicht in seine Taschen fließt. Andererseits hat er natürlich recht und die Verkündigung der Wahrheit geht über seinen Profilierungswillen hinaus: Schröder wäre ja wohl kaum dort Manager geworden wenn er nicht
vorher die Weichen gestellt hätte. Da kann sein Interessenvertreter wieseln so viel er will. Selbst wenn, was unwahrscheinlich ist, Gerhard Schröder den unterbezahlten Richter auf seine Position ziehen kann, der Erinnerungswert der Story ist hoch. Die Enkel werden also, Richterspruch hin oder her, eines Tages hören können,
daß Schröder schon im Amtszimmer die Pipeline in Richtung Reihenhaus Hannover gestellt hat.
"Anwalt Nesselhauf in seinem Schreiben in Schröders Namen: „Diese Ihre Behauptung ist, wie Sie wissen, grob unwahr.“ Westerwelle werde deshalb aufgefordert, eine „strafbewehrte Unterlassungserklärung“ abzugeben. Darin soll sich Westerwelle verpflichten, „bei Meidung einer Vertragsstrafe von 25.000
Euro für jeden einzelnen Fall der Zuwiderhandlung“ die genannte Behauptung nicht öffentlich zu wiederholen. Außerdem soll Westerwelle die „vorsätzlich unwahre Behauptung“ richtig stellen, und zwar mit einem von Schröder vorgegebenen Text. Daneben soll der FDP-Chef die Anwaltskosten tragen. Nesselhauf sagte der „BamS“: „Wenn Herr
Westerwelle die geforderte Unterlassungserklärung nicht abgibt, werden wir das zuständige Gericht einschalten.“ Well,
geht es deutscher? Hätte er doch geschwiegen hätte man ihn für weise gehalten (nicht wirklich) So aber wird sein Wunsch, der Wahrheit die schrödersche Richtung zu geben, ventiliert, gedruckt, diskutiert, gebloggt und bei Wikipedia verewigt.
Juristischer Kampf um Worte nennt die Welt das. So nennt man das wenn man verlernt hat sich selbst zu
verteidigen, zu schweigen, oder souverän Angriffe zu ignorieren. Uns verrät Gerhard Schröder auch nach seinem unrühmlichen Abtritt noch einmal wie er sich den deutschen Untertanen vorstellt:
Klappe haltend, etwa so wie Journalisten, Politiker und Bürger bei seinem Freund Putin!
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