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Der Freiheitsfeind Entweder der Mann ist bereits senil oder charakterlich
defekt oder beides, oder aber die spanische Sonne ist ihm aufs Gehirn geschlagen. Doch so warm ist es da augenblicklich nicht. Aber lassen wir das spekulieren, denn es hilft nicht: Grass ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Grass ist ein Blender, ein Täuscher und ein Trickser. Einer der uns mit bedeutungsvoll bis betroffenem Blick über den
Rand seiner Brille anschaut und spätestens jetzt erwartet, daß wir vor Ehrfurcht einknicken. Da räuspert er sich und mit sorgsam platzierten Kunstpausen versucht er jede seiner Absonderungen aufzublasen und ihrem hohlen Inhalt Sinn zu geben. Mensch was der Typ mich anwidert. Und dabei liegen ihm so viel Ergriffene zu Füßen und hängen an
seinen Lippen. Er ist dieser typische astronomische Effekt, daß Planeten kleine Trabanten anziehen, die ihn umkreisen immer schön auf Abstand, aber doch so nahe, daß er, der Planet nicht allein seine Bahn ziehen muss.
Das Grass nie viel für die Freiheit übrig hatte wurde spätestens klar, als er sich zum Politbüttel des sozialdemokratischen Mainstream machte und in seinen Sonntagsreden für einfallsarme Politiker half die Atmosphäre für den Umverteilungsstaat vorzubereiten. Sicher die „Grasstrommel“ war ganz nett, aber der Rest seines Werkes völlig
überwertet. Nicht, daß man nicht diese oder jene Wahrheit herauslesen könnte. Aber das kann man bei anderen schreibenden Zeitgenossen auch, deshalb haben sie aber keinen Nobelpreis bekommen. Seither übt sich Grass als Versteher, sieht sich als Mahner und verstummt immer dann wenn es um die Stärkung der Individualität, der Freiheit und der
Unabhängigkeit geht. Es gibt inzwischen keine Äußerung der malenden Moralinstanz mehr, die nicht exakt so, wie sie später kommt, voraussehbar gewesen wäre. Das ermüdet, und ist für mich ein Beispiel dafür wie schrecklich bei manchen Menschen der Alterungsprozess abläuft.
Nun hat er wieder gepupst. Laut dpa hat er in Spanien „die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» scharf kritisiert. «Es war eine bewusste und geplante Provokation eines rechten dänischen Blattes», sagte der Schriftsteller in einem Interview mit der spanischen
Zeitung «El País» (Donnerstag-Ausgabe). Den Blattmachern sei bekannt gewesen, dass die Darstellung Allahs oder Mohammeds in der islamischen Welt verboten sei. «Sie haben aber weitergemacht, weil sie rechtsradikal und fremdenfeindlich sind.»
Von den gewalttätigen Reaktionen zeigte sich der 78-jährige Autor wenig überrascht. Es sei die fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Aktion des Westens, angefangen von der Invasion in den Irak, die gegen internationales Recht verstoßen habe. Dem Westen warf Grass in der Debatte über die Karikaturen hinsichtlich der Verweise
auf die Presse- und Meinungsfreiheit Selbstgefälligkeit und Arroganz vor. Die Zeitungen lebten von den Anzeigen und müssten auf gewisse wirtschaftlichen Kräfte Rücksicht nehmen. Die Presse sei Bestandteil großer Gruppen, die die öffentliche Meinung monopolisierten. Der Westen könne sich nicht weiter hinter dem Recht auf freie Meinungsäußerung
verschanzen."
Na also. Mit dieser Äußerung macht er sich nach der Mithilfe der Beeinflussung einer ganzen Generation von staatshörigen und zur Unmündigkeit erzogenen jungen Menschen nun ein weiteres Mal schuldig. Es reicht ihm nicht an der Zerstörung der transatlantischen Harmonie mitgewirkt zu haben. Sein Hass auf die ehemaligen Befreier verrät sein
eigenes engstirniges fundamentalistisches Denken, daß nun, fast kann man sagen endlich, die Katze aus dem Sack lässt: Meinungsfreiheit ist für Grass ein nachrangiges Gut. Damit offenbart er uns was er, Jahrzehnte unter dem modischen Mantel der Geschichtsverarbeitung versteckt, wirklich denkt und was er mit den von ihm gelegentlich
werksopportunistisch kritisierten Nazis gemein hat: Den Hass auf den freien Westen, eine Leben ohne Zensur und frei in Ausdrucks- und Meinungsfreiheit. Nobelpreisträger? Pah!
Das ganze Grass-Interview hier, mehr Info bei Gudrun Eussner |
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