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Robin Renitent, 17. Januar 2006

   

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Das Diktat der  NACHHALTIGKEIT

Machen Sie bitte eine Sekunde die Augen zu und sagen laut: „Nachhaltigkeit“. Sagt Ihnen das Wort etwas? Womit verbinden Sie das? Welchen Sinn oder welche Aussage ergibt sich für Sie wenn Sie das Wort lesen oder hören. Keins. Sie kennen das Wort gar nicht? Sollten Sie aber. NACHHALTIGKEIT ist das Lieblingswort linker Gutmenschen, beflissener Eurobürokraten, grüner Tugendwächter und grauer Zukunftspessimisten. Was es nun eigentlich bedeutet? Ach ja, richtig. Befragen wir mal den Duden: Der sagt gar nichts. Aber der Brockhaus sagt uns zumindest, daß Nachhaltigkeit ein Begriff aus der Forstwirtschaft ist und „ein Bewirtschaftungsprinzip, das dadurch charakterisiert ist, dass nicht mehr Holz geerntet wird, als jeweils nachwachsen kann.“
Toll, ja? Und warum findet man nun diesen Fachbegriff aller Waldschrate und Setzlingsplaner in jedem zweiten Aufsatz, Zeitungsartikel oder Vortrag? Weil er Eindruck macht, den Redner/Schreiber kompetent aussehen lässt und man ihm Verantwortung für die Zukunft unterstellt. Ein wichtiger Mensch, dem unser Wohl am Herzen liegt. Eingelullt mit diesem so deutschen aber so unverständlichen Begriff schauen wir dann auch gar nicht mehr so genau hin was im Anschluss an den Wortgebrauch erneuten Einschränkungen, Regeln, Erlassen etc. durchgedrückt und verabschiedet wird.

Klingt ja auch alles vernünftig, zumindest auf den ersten Blick: Gewässernachhaltigkeit, Rentennachhaltigkeit, Luft-, Klima-, Boden-, Energie-und-weiß-der-Teufel-was-Nachhaltigkeit. Sollten Sie selbst irgendwo mal was öffentlich von sich geben, streuen Sie ruhig das Wort Nachhaltigkeit ein, so 5-6 Mal. Das klingt wichtig, und sie ernten zustimmendes Kopfnicken. Also Sie wissen immer noch nicht genau was das eigentlich ist? Googeln Sie doch mal: Da gleich der erste Eintrag „Lexikon der Nachhaltigkeit“.

„Herzlich Willkommen im Lexikon der Nachhaltigkeit“, 1. Klick: Beispiele: Vision: Die globale Faktor 4-Strategie für Klimaschutz und Atomausstieg


1. Wie viel Energie wir herstellen und verbrauchen, unterliegt weder einem Naturgesetz noch dem Marktzwang. Die Energiezukunft ist grundsätzlich gestaltbar.
2. Wir stehen am Scheideweg: Lassen wir den Energieverbrauch weiter unmäßig ansteigen, droht die (Selbst-)Zerstörung unserer Mit- und Umwelt sowie die Barbarisierung der Weltgesellschaft.


Aha, es geht also um das Sparen von Energie. Eine kluge Überlegung. Nach Erläuterungen weiterer Themenpunkte kommen wir zu Position 12:


12. Die Effizienzrevolution gibt es nicht auf Knopfdruck, sondern in kleinen Portionen - jeden Tag ein bisschen mehr. Netzwerke und müssen geknüpft und Anreizstrukturen verändert werden. Damit gewinnen wir Zeit auf der Suche nach neuen Wohlstandsmodellen - um naturverträglicher zu arbeiten und zu leben.

Ja, das leuchtet ein. Aber die Sache hat bestimmt einen Haken. Klicken wir doch mal auf Deutsche Politik. Da lesen wir:

"Eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie umfasst alle Bereiche gesellschaftlichen Handelns, sie muss sich ebenso mit einer langfristig tragfähigen ökonomischen Entwicklung befassen wie mit dem Artensterben, dem Flächenverbrauch, dem Klimaschutz oder dem Energieproblem. In einer Welt, die immer mehr von wechselseitigen Abhängigkeiten bestimmt wird, ist dabei das Zusammendenken bislang getrennt betrachteter Bereiche unverzichtbar.

Die Bundesregierung kommt dem von der Kohlregierung lange nicht erfüllten Auftrag von Rio jetzt nach. Sie richtet auf Initiative des Bundestages neue Gremien ein, in denen in den kommenden Jahren projekt- und modellorientiert eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet wird. Eine Staatssekretärsrunde für nachhaltige Entwicklung - Green Cabinet - wird, dem Vorbild anderer Länder folgend, von in erster Linie relevanten Bundesministerien die Erarbeitung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie übernehmen: Vernetzt werden die Bereiche Umwelt, Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und Bauen, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Soziales und Internationale Zusammenarbeit. Beraten wird die Bundesregierung und das Parlament von einem Zukunftsrat, deren Mitglieder zu Beginn des kommenden Jahres ernannt werden. Die Zukunftsräte sollen Persönlichkeiten aus allen wichtigen Bereichen der Gesellschaft sein (aus Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur und Kirche, ebenso wie aus den Bereichen Umwelt und Entwicklung) und die Sichtweisen der verschiedenen Gruppen repräsentieren."


Und es wird auch gleich klar: Es müssen Gremien und Räte gebildet werden. Arbeitsgruppen und Kommissionen. Alle, alle diese fürsorglichen Menschen denken darüber nach wie wir mit unserer Zukunft umzugehen haben. Und weil alle so schöne nachdenken, wollen sie natürlich auch das Ergebnis ihrer Denke umsetzen und in ein Regel und Gesetzeswerk gießen. Und so tüftelt man und schreibt, man macht und tut, veröffentlicht wichtige Statements wie die
"Perspektiven für Deutschland": (Die) unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung beinhalten.

Und so sind alle mit Nachhaltigkeit beschäftigt, Naturschutzverbände, Gewerkschaftsbünde, Regierung und Regierungsbürokraten auf nationaler Ebene und europaweit. Aber wann fing das alles an? Schauen wir ins Lexikon:

„Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) ist seit dem „Erdgipfel“ 1992 in Rio de Janeiro, der größten Gipfelkonferenz des 20. Jahrhunderts, eine Idee, ein Ziel, die/das mehr und mehr Eingang findet in die Köpfe und das Handeln der Menschen, Verwaltungen, Betriebe, (...) Auslöser ist die Erkenntnis, dass es in einer Welt mit so viel Armut und Umweltschäden keine gesunde Gesellschaft oder Wirtschaft geben kann. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung muss ihren Kurs ändern und mehr Rücksicht auf die Belange der Umwelt nehmen. Ziel ist, die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse mit einer qualitativ hochwertigen Umwelt und einer gesunden Wirtschaft für alle Menschen der Erde miteinander in Einklang zu bringen. Dies kann keine Nation für sich allein - vielmehr ist eine weltweite Partnerschaft für eine nachhaltige Entwicklung erforderlich.“

 

Und fragen wir Wikipedia was da nun  alles zugehört, sind wir erschlagen von so viel Nachhaltigkeit:

 

Internationale Grundlagendokumente

 

Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome (1972)

Agenda 21 (1992)

Johannesburger Aktionsplan (2002)

Klimarahmen-Konvention (1992)

Biodiversitäts-Konvention (1992)

Brundtland-Bericht (1987)

 

Praxis der Nachhaltigkeit

Neues kommunales Finanzmanagement

Lokale Agenda 21

Millenniumsziele

Erd-Charta

Nachhaltige Lebensweise

Nachhaltiges Wirtschaften

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Ökologische Landwirtschaft

Nachhaltigkeit (Forstwirtschaft)

Nachhaltigkeit (EDV)

Managementregeln der Nachhaltigkeit

 

Theorie der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitswissenschaft

Forschung für Nachhaltigkeit

Ökoeffizienz

Die Grenzen des Wachstums

Neues Nachhaltigkeitsparadigma

Zukunftsfähiges Deutschland (Studie)

Umweltraumkonzept

Ökologischer Fußabdruck

Faktor 4

Great Transition

 

Instrumente der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitsbericht

Indikatoren für Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitsmonitoring

Nachhaltigkeitsmanagement

Stoffstrommanagement

 

Konferenzen und Institutionen:

United Nations Conference on Environment and Development (Rio Erdgipfel 1992)

Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung

Rat für nachhaltige Entwicklung

Global Marshall Plan Initiative

Club of Rome

 

Naja und googelt man weiter unter den insgesamt 1,880,000 Rewsultaten für Nachhaltigkeit kommt man auf so ergreifende Sdeiten wie die Leitstelle Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit mit einem so ergreifenden Satz in der Einleitung:

 

"Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik sind geschlechtsneutral.(...) Wir gehen davon aus, dass Geschlechtergerechtigkeit eine wesentiche Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung ist...(...) Bei genanet werdenPositionen zur Umweltpolitik und Nachhaltigkeit aus der Geschlechterperspektive entwickelt..."

 

ach nee, da muss man erstmal drauf kommen. Oder Agentur für Nachhaltigkeit GMBH weil Nachhaltigkeit eine Stimme braucht.

"agenda-transfer berät Kommunen, Organisationen, Unternehmen und Ministerien mit neuen Formen der Kommunikation, der Prozessgestaltung und Prozessorganisation zu Fragen nachhaltiger Kommunalentwicklung. Unser Angebotsspektrum: maßgeschneiderte Beratungsmodule, Instrumente wie Planungs- und Entscheidungshilfe (PEZ), Qualitätskriterien, Indikatoren, Veranstaltungen, Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit sowie Onlinedienste."

 

Oder: Eventkultur und Nachhaltigkeit  mit der beeindruckenden Einleitung:


"Guten Tag,
Das Forschungsprojekt "Eventkultur und Nachhaltigkeit" nimmt eine neue Perspektive ein. Vielleicht ist der Blickwinkel etwas ungewohnt, es wäre aber schön, wenn wir Ihre Neugierde wecken könnten. Eventkultur heißt, die Wertigkeit der Live-Kommunikation in den Mittelpunkt zu stellen. Die nachhaltige Eventkultur reflektiert vier Gestaltungsoptionen:
ökonomisch effizient, ökologisch maßvoll, sozial verankert und kulturell und kommunikativ wirksam. Jede Dimension hat ihre eigene Berechtigung. Aber die Eigenlogiken haben Grenzen. Das Projekt beachtet diese Grenzen und erschließt neue Synergien an den Schnittstellen."

 

Nun sind wir beeindruckt und wissen, das Nachhaltigkeit was wirklich wichtiges ist. Und nach dem wir uns, nur so zum  Spaß natürlich durch weitere 100 der  1,880,000  gefressen haben und aufregende Projektstudien, Empfehlungen, Verabschiedungen und Planungsentwürfe inhaliert haben, es dauert etliche Stunden sich da durchzulesen,  kommen wir zu folgendem Schluß:

 

  • Nachhaltigkeit ist eine Kopfgeburt sich wichtig nehmender Intellektueller die sonst beschäftigungslos wären.
  • Nachhaltigkeit ist ein Selbstläufer der Forschungsmittel frei macht, Förderungen ermöglicht und Institutionen beschäftigt
  • Nachhaltigkeit ist ein Totschlagsargument linker Gutmenschen, Globalisierungsgegner und der Feinde des freien Marktes.
  • Nachhaltigkeit ist ein Vehikel um NGO-Funktionären den Zugang zur Macht und die Kungelei mit den Mächtigen zu ermöglichen
  • Nachhaltigkeit ist ein Begriff unter dessen Schirm Bürokratien auf nationaler, europaweiter und weltumspannender Ebene etabliert und ausgebaut werden können.
  • Nachhaltigkeit ist ein Begriff der Political Correctness, gegen Nachhaltigkeit zu sein geradezu unverzeihliche Ignoranz.
  • Nachhaltigkeit ist der typische Anlass um Bürgerfreiheit zugunsten des „Allgemeinwohls“ einschränken zu können.
  • Anhänger der konsequenten Umsetzung von Nachhaltigkeit finden wir auch bei Globalisierungsgegnern, Naturschützern, Ökoreligiösen, Tierschützern, „Friedensbewegten“, Gleichstellungsbeauftragten und allgemein bei Vertretern des linksliberalen Mainstream
  • Der an sich sinnvolle Einsatz zugunsten unserer Natur, zum Schutz von Umwelt und sparsamen Umgang mit Energie wurde wieder einmal verselbstständigt und zu einem politischen Hebel missbraucht um Bürgerbedürfnisse zu kanalisieren  und Freiheiten einzuschränken.

  • Nachhaltigkeit muss finanziert werden. Alle Mittel zur Finanzierung der Nachhaltigkeit und der Peripherie (siehe oben) werden per Umverteilung und Enteignung dem Bürger in Form von Steuern aus der Tasche gezogen.  

 

Sollten Sie also demnächst wieder auf den Begriff Nachhaltigkeit stoßen wissen Sie schon jetzt, das es teuer wird, sie fremde Menschen unterhalten die diesen Begriff versuchen inhaltlich aufzufüllen, und ihnen ein Abbau ihrer Bürger- und Freiheitsrechte droht.

   

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