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Robin Renitent,  27. Dezember  2005

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Susanne in der Wüste

oder Frau O. und das gesunde Volksempfinden
Ich gebe es ja zu: Die Frau ist schwer zu verstehen. Was mir gefällt: Sie setzt sich gegen ihre Familie durch und studiert, macht was aus sich. Schon mal toll. Wie meine Mutter, deren Eltern wollten auch das Töchterchen am heimischen Herd bleibt. Sie studiert also Archäologie. Auch toll, wo meine Klassenkameraden nach 3 abgebrochenen Studiengängen und Taxefahren und in die PH wankten um anschließend anderer Leute Kinder zu quälen und mit Antiamerikanismus zu infiltrieren. Dann gefällt mir, dass sie was auf eigene Faust macht und sich nicht einreiht oder einreihen lässt in irgendwelche staatlichen Hilfsprogramme. Dagegen ist nichts zu sagen, oder? Nun will Frau nicht allein bleiben und heiratet einen Iraker (oder war’s ein Jordanier?). Das würde ich mir nicht gerade für meine Tochter wünschen, aber bitte sehr – wo die Liebe hinfällt. Dass sie zum Islam übertritt finde ich schon sehr befremdlich. In eine Religion die so intolerant ist und die Frauen ans Haus ketten will, die zutiefst freiheitsfeindlich ist, das ist der wirkliche Hammer. Aber, Irre gibt’s genug, 1000 Frauen sollen im letzten Jahr konvertiert sein. Da hatte Susanne Osthoff noch die besten Gründe. Auch dass sie nicht bei ihrer Tochter ist und sie islamisch erziehen lässt stört mich als Vater von Kindern am meisten. Sehr sogar. Aber – wir wissen das nur aus den Medien, und da sollte man zurückhaltend sein im Urteil.

Ich denke für mich, nur für mich, warum hat sie nicht woanders gebuddelt? Warum nun gerade da?

Nun wurde sie entführt, freigelassen/freigekauft. So weit so gut. Doch jetzt kommt’s dicke: Psychologen machen Ferndiagnosen. Das ist schon mal wissenschaftlich unseriös. Ein Arzt/Therapeut muss seinen Patienten sehen. Es gibt eine deutschlandweite mediale Empörung. Die Zeitungen sprechen aus was Tante Klara und Onkel Otto daheim am Fernseher denken. Politiker ereifern sich, natürlich mit Blick auf den Steuerzahler und damit Wähler, in Klara/Ottos Sinne. Also instrumentalisieren sie die Osthoff für ihre Zwecke. Das tut auch die Gegenseite. Uns Claudia Roth die Berufsbetroffene instrumentalisiert die Osthoff genauso: Sozusagen von Frau zu Frau, also ein bisserl feministische Solidarität soll schon sein. Hat eigentlich Alice Schwarzer schon was gesagt?

Nun fassen wir mal zusammen: Es gibt Gründe nicht zuhause anzurufen. Für die Osthoff ist der Irak seit Jahren ihre Heimat. Warum sollte sie nach Bayern gehen? Wie würden wir uns verhalten wenn sich jemand in unsere Lebensgestaltung einmischen will? Rabiat würden wir, ich jedenfalls. Sind wir schon so intolerant, daß wir nicht mehr akzeptieren können, daß einer/eine keine Freude daran hat abends „Wetten daß?“ zu sehen, zu grillen oder einen Blog zu gestalten? Schließlich ist sie bisher der Allgemeinheit nicht zur Last gefallen, sie war keine Sozialhilfeempfängerin, hat den Staat nicht um Unterhalt angebettelt, sich nicht mit Drogen abgefüllt und insofern wurden auch keine teuren Therapien bezahlt. Man sollte ihr klarmachen: Noch einmal sollten sie Auslösezahlungen nicht erwarten dürfen. Keinen Cent mehr!!!

Nein, ich verstehe sie auch nicht. Nicht richtig. Aber muss ich das denn? Die Freiheit anders als 99 Prozent der sicherheitsbedürftigen Bundesbürger zu leben sollte sie schon haben. Was wäre das Wort Freiheit sonst wert?

 

Nachtrag, 28. Dezember 2005

Ich kann hier in Nordamerika kein deutsches TV empfangen, also beziehe ich meine Informationen aus dem Internet. Auch nach einigen Jahren bin ich noch soweit der deutschen Sprache mächtig, daß ich einen zusammenhängenden Text verstehen kann. Allerdings den geschriebenen Text des Interviews den Susanne Osthoff dem ZDF heute Magazin gegeben hat verstehe ich nicht. Gar nicht. Was wollte die Frau nun sagen? Also wenn ich oben ihre Freiheit sich dahin zu bewegen wo sie möchte auch verteidige und ihr Respekt zolle für ihre berufliche Entwicklung, die sicher interessanter ist als die einer Sekretärin, denke ich nach diesem Interview doch, daß die Osthoff im Irak zu lange in der Sonne war. Völlig irre was sie da sagt. Nicht ein zusammenhängender Satz. Hmmh, sie sollte wirklich auf eigene Verantwortung handeln und der deutsche Steuerzahler sollte außen vor bleiben.

 

"... war ich nicht
freier Mensch"

Das ZDF-Interview mit Susanne Osthoff im Wortlaut
Im Interview mit dem heute-journal äußert sich die Archäologin Susanne Osthoff über ihre Geiselnahme im Irak. Das ZDF dokumentiert den Wortlaut des Interviews. Auszüge daraus hat das heute-journal am Mittwoch gesendet.


Marietta Slomka: Über Susanne Osthoff ist ja viel berichtet worden, wir wollen gerne mit ihr selbst sprechen. Frau Osthoff, ich grüße Sie. Wie geht es Ihnen?

Susanne Osthoff: Schlecht.

Susanne Osthoff im InterviewSlomka: Wie haben Sie die letzten drei Wochen erlebt? Osthoff: Das waren nicht drei Wochen, das war genau ein Monat, vom Freitag, den 25.11., wo ich betonen will, freitags haben alle Banken und öffentlichen Läden - zu Ihrer Information - geschlossen. Nicht dass irgendwelche Journalisten wieder auf Ideen kommen, ich hätte da Gelder transferiert, nur zur Information, dass Sie mal Fakten wissen. Freitag, 25.11., bis den letzten 25.11., das war Samstag, war dann schon Sonntag, 1 Uhr 20 war ich nicht, war ich unter, war ich nicht freier Mensch, ganz einfach.

Und deswegen brauchen Sie jetzt, damit erübrigen sich jetzt die weiteren Fragen, wieso haben Sie sich denn nirgendwo gemeldet? Ich habe eine Liste da, von allem, was mir abgenommen wurde. Wo ich auch nicht ran kann jetzt und das beinhaltet SIM-Karten, die sind nicht mehr da, mein ganzes Gepäck ist nicht mehr da. Wie Sie sich vorstellen können, ist das nicht ganz einfach dann und deswegen: Es geht auch nicht mehr ums Gepäck nach solchen Dingen. Und wie es einem dann geht, denn rein die körperliche Verfassung wird irgendwann absinken, denn dann wird man nicht viel schlafen können, nämlich gar nicht.

Slomka: Mögen Sie uns erzählen, wie das an dem Tag der Entführung abgelaufen ist? Sie waren in einem Auto und plötzlich wurden Sie dort herausgezerrt?

Osthoff: Ich glaube, diese Details sind uninteressant. Das interessiert niemanden, ein Kidnapping läuft mit Gewalteinwirkung ab in der Regel. Die Leute schauen ja viel Fernsehen, die sehen ja vielleicht, dass man nicht freiwillig dann sich schnappen lässt. Da ist eine kurze Gewalteinwirkung, die natürlich so ist, dass man da keine Möglichkeiten mehr hat und wo das stattfindet und so weiter. Das hat alles das BKA aufgenommen, in detaillierter Form, deswegen dauerte das auch ab dem Zeitpunkt, wo ich draußen war, von der selben Minute an bis 25.12., 1 Uhr 30. Und das sind Tatsachen, die nicht nur auf ein kurzes Verbrechen zurückschließen, sondern das geht in die lange Geschichte zurück.

Slomka: Es gab dieses Video, das uns hier in Deutschland auch sehr erschüttert hat, in dem Sie gefesselt waren, mit verbundenen Augen. War das die ganze Zeit über so?


Entführung im IrakOsthoff: Das Video ist, da haben sich ja schon viele Leute schon Gedanken gemacht, dass dieses Video so eine eine schlechte Qualität hätte. Deswegen, daraus versucht man ja in Terror-Krisenstäben, jemand als Spezialist versuchen daraus was zu analysieren. Das ist leider ganz ne falsche Annahme, wenn man meint, dass die Qualität jetzt leider nicht mehr auf Herrn Abu Mussab Al Sarkawi schließen lässt. Die Lebensqualität ist halt auch schon ein bisserl abgesunken, das dort innerhalb kürzester Zeit vielleicht 30 oder 40 neue Gruppierungen innerhalb von einem Monat auf der Bildfläche erscheinen. Denen ist es egal, ob der Videoclip gerade sauber ist oder nicht. Die wollen nur diese Message rüberbringen und die Message war ja eindeutig und daraus, das ist eben der Fehler der Denkweise der Deutschen, die meinen, der Mussab hat noch Zeit, dann noch sich zu überlegen oder seine Gruppierungen, wie schaut denn das jetzt auch, haben wir auch die Wand noch richtig geweißelt? Das interessiert hier keinen mehr.

Slomka: Die Botschaft ...

Osthoff: Wenn Sie selbst drin sitzen, dann wundern Sie sich nur noch über solche komischen Terror-Experten.

Slomka: Die Botschaften in dem Video, das Sie gerade ansprachen, war, dass man Sie töten würde. Hatten Sie davor Angst, dass die das wahr machen, oder hatten Sie das Gefühl, das ist mehr eine Drohung?

Osthoff: Ich wäre, da hat man gar kein Gefühl mehr, weil man nämlich ständig kurz vor dem Tod steht. Denn ich hab ja schon mal gesagt, dass das ein Verkauf war und unter einem sehr schlechten Vorzeichen, nämlich jüdischer Geheimdienstoffizier. Und normalerweise, wenn es in Arabien keine Gnade gäbe, wäre ich im Kofferraum nach einer Stunde schon eliminiert worden und dann in den Kanal daneben rein geschmissen worden.

Slomka: Ihnen ist es aber gelungen, mit den Geiselnehmern in Kontakt zu treten, also mit ihnen zu reden?

Osthoff: Und alles andere, die wollten dann mit mir reden, denn sie haben ja natürlich mich schon länger beobachtet und wussten, dass ich natürlich nicht so ein Feigling bin, wie manch andere Menschen. Deswegen waren sie verblüfft, weshalb ich denn in Mossul noch arbeite und Sie haben ja selber gesehen, was ich da arbeite.

Slomka: Sie sagten, Sie hätten sie länger ...

Osthoff: Dass ich mich da bereichere, denn ich habe von Deutschland, jetzt erwähne ich das mal schnell, von Deutschland habe ich dafür keine müde Mark dafür bekommen. Es sind 15.000 Euro für ein Kulturprojekt zur Verfügung gestellt worden. Ich hatte knallharte Auflagen, die haben mich unter Druck gesetzt, zwei Mitarbeiter noch, der Herr Erbel, der Botschafter ist davon auszunehmen. Ich wurde noch kurz vorher darauf hingewiesen, dass ich im Januar, wenn ich das Projekt, das Budget geht bis Ende des Jahres 2005. Wenn ich das nicht bis Ende Januar alles ausgegeben ist, also mit jedem Beleg und sie möchten das nicht gehört haben, dass ich davon einen Pfennig nehme, das muss klar sein, das wusste ich natürlich, weil ich brauche das Geld nicht von Deutschland, ich habe selber das Projekt finanziert. Und die 15.000 Euro sind alle abgerechnet, da sind noch nicht mal die Gehälter für den Oberbauaufseher drin. Das haben wir alles selber gezahlt.

Und deswegen muss ich mir das jetzt dann verbieten, dass noch einmal irgendwas von Deutschland erwähnt wird. Deutschland hat damit nichts zu tun. Denn das Geld ist nach wie vor wahrscheinlich auf einer Bank, ich weiß es nicht, und ich frage es auch nicht mehr. Ich verzichte freiwillig. Ich mache das selber und Deutschland hat sich da nicht einzumischen. Ich habe alles selbst, die Verantwortung immer schon übernommen, schon seit vielen Jahren. Da hat keiner nachgefragt, ich bin wochenlang nicht erschienen.

Susanne Osthoff beim ZDF-InterviewIch hatte nur, weil ich dringende Gründe hatte, einem menschlichen Mitarbeiter, der Botschaft diesen Zettel gegeben, um im Falle des Falles an meine Tochter ranzukommen und nichts weiter irgendwelchen Firlefanz zu erzählen, ja? Der Mann hat Gott sei Dank als einziger versteht er das, denn er hat selber die Botschaft geschützt, ja? Und nicht nur mit irgendwelchen blöden Texten, sondern mit Taten, da muss ich mal sagen, das war eine Blamage für Deutschland, ganz einfach. Und der Geiz schreit zum Himmel und das tut mir leid, ich habe niemanden beauftragt, den ganzen Wirbel aufzurollen, denn 43 Jahre kennt mich keiner, jetzt plötzlich wollen die irgendwas von mir, ist ein bisschen peinlich.

Der Mitarbeiter in der Botschaft in dem letzten Gespräch hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, der zuständige Mensch Kulturreferent, neu eingesetzt, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe alles notiert, jeden Satz, den er gesagt hat. "Frau Osthoff, wir brauchen hier keinen Orientalisten". Ich habe ihm gesagt, wissen Sie was in Mossul so los ist, der Gouverneur hat mir selber noch ein Schreiben gegeben, dass wir (... unverständlich/Anm. der Redaktion) müssen, wegen der Wahlen und der Eskalationen.

Der Mann war keinen Meter draußen, da hatte er Husten, weil der Staub in Bagdad so krass ist, ich war da mit den Nerven schon ziemlich runter, denn ich lass mir das nicht bieten, von solchen Bürokraten (...) machen Sie mal den Fernseher an und schauen Sie mal, ich musste, ich sag Ihnen, ich musste, denn das Projekt wäre sonst, das Geld wäre nicht zum Einsatz gekommen und wir arbeiten nicht 1,5 Jahre, ja 40 Familien, die davon leben wollten, dass das Geld die Leute erreicht.

Ich hab es ja erwirkt, dass wir wenigstens einen Aufschub kriegen, nachdem ich, wie Sie ja wissen, nicht ganz auf den Mund gefallen bin, sonst hätte ich schon längst nicht mehr überlebt, hab ich das erwirkt, das Geld zu erhalten, sonst hätten wir es gleich zurückgegeben.

Slomka: Sie sagten, Sie sind nicht auf den Mund gefallen. War das Ihre Rettung, dass Sie mit den Geiselnehmern auch so viel gesprochen haben? Glauben Sie, dass Sie auch dazu viel selbst beigetragen haben, dass Sie am Ende freigelassen worden?

Osthoff: Sie wissen ja gar nicht, dass ich mit denen gesprochen habe. Schauen Sie mal, ich hab noch keinerlei Details Ihnen gesagt. Sie wissen nicht, ob ich überhaupt sprechen durfte. Ob ich geknebelt war und sonst irgendwas. Ich habe noch eine kleine Plastiktüte dabei, für meine Erinnerungen an diese Tage, ich sag es Ihnen, es gibt dort Einwirkungen, die Sie nicht mehr unter Kontrolle haben.

Da kann ich Ihnen nur eine kleine Plastiktüte zeigen, daraus können Sie vielleicht ein paar Dinge jetzt entnehmen (Anmerkung der Redaktion: Frau Osthoff hält eine Plastiktüte hoch und entnimmt Gegenstände, die nicht zu identifizieren sind). Das sind meine letzten Erinnerungen. Und das waren drei Wochen meine Utensilien, die ich noch hatte. Das heißt, die habe ich mitnehmen dürfen als Erinnerung. So hab ich da, und das können Sie nicht interpretieren. Sie müssen die Vorgabe bedenken, jüdischer Geheimdienstoffiziere, was das bedeutet. Ja und da ist man natürlich teilweise gefesselt, denn die Leute handeln nach Anweisung, ja?

Slomka: Also konnten Sie nicht mit den Entführern sprechen während der drei Wochen?

Osthoff: In der Lage können Sie nicht mehr was sagen vielleicht, Sie haben keine Möglichkeit, Sie müssen auf Anweisung, Sie werden verhört und sie können nicht einfach "Hallo, wie heißt Du denn" sagen. "Bist Du jetzt (unverständlich) . Das ist nicht möglich.

Slomka: Also wussten Sie auch gar nicht, mit wem Sie es da zu tun haben?

Osthoff: Verhaltensregeln, doch die Leute, gestern in Al-Dschasira, Sie hätten sich das Interview anhören müssen, dann hätten Sie jetzt alle Vorgaben. Ich wurde ganz korrekt informiert, um wen es sich handelt. Nämlich eine Gruppierung der Gruppierung Abu Mussab Al Sarkawi. Und das ist mir von Anfang an klar gemacht worden, und da werde ich nicht mehr so blöd sein dann zu überlegen, haben die mich vielleicht jetzt angelogen, oder wollen die jetzt bloß mit mir irgendwie Tee trinken. Das waren knallharte Fakten.

Und ich wusste das schon länger, denn ich hatte schon einmal eine Bedrohung und habe mich jetzt gerade durchgesetzt, dass wir das Projekt für die (unverständlich) in Gang bringen, nicht dass ich jetzt Spielchen mache und Urlaub mache. Die Bürger aus Glonn kennen mich, dass ich das Haus nicht mehr halten konnte, mein Vermieter hatte ja keine Gnade, der Bürgermeister wollte selber noch, ich konnte die Miete nicht mehr zahlen, weil ich ja nichts verdiene, verstehen Sie? Ich habe aber gewusst, dass die Leute noch ärmer sind als ich. Die brauchen jetzt ein bisschen Feedback. Auch wenn es nur 40 Familien sind, es ist besser wie gar nichts. Der Herr Ester kennt mich und der hat noch versucht, als Mediator mit dem Vermieter einzutreten. Aber er war leider gnadenlos.

Slomka: Was haben Sie denn jetzt vor, Frau Osthoff? Was möchten Sie jetzt als nächstes tun?

Osthoff: Das steht nicht zur Debatte. Denn ich kann nicht. Was ich möchte, hat mich noch nie im Leben einer gefragt. Das wäre mir jetzt neu, wenn ich diese Frage plötzlich hören dürfte. Ich höre sie gerade, aber ich kann nicht so handeln, wie ich will. Verstehen Sie, da gibt es nicht viele Möglichkeiten, und da kann ich eigentlich gar nichts dazu sagen.

Slomka: Ist das denn falsch zitiert im Interview mit Al-Dschasira, dass Sie in den Irak zurück möchten? Stimmt das nicht?

Osthoff: Diese Frage wurde nicht einmal gestellt. Wir kamen nicht auf so einen privaten Pipifax, denn dort bei Al-Dschasira haben sie sich um politische Dimensionen und das Kidnapping gekümmert. Um Fakten eben und das muss ich einmal klarstellen, das sollten Sie sich mal überlegen, dass es auch einmal wichtig wäre, dass die Bürger mal solche Dinge erfahren. Weshalb wir da überhaupt noch etwas tun? Denn wie Sie wissen, sind fast eine halbe Million Iraker in Deutschland, die wohnen bei uns, als politische Asylanten. Und da müssten Sie sich auch mal sich Gedanken dazu machen. Warum denn jetzt diese Leute nicht mehr zurück können.

Slomka: Also stimmt es nicht, dass Sie in den Irak zurückkehren?

Osthoff: Es ist eine komplette Lüge, ich habe die Kassetten hier und die sind genau aufgezeichnet, ich habe davon noch nie etwas behauptet, ich wurde auch noch nicht einmal auf so eine doofe Frage, wurde mir von den Arabern noch nie gestellt.

Slomka: Aber Sie unterstützen ja Kulturprojekte im Irak?

Osthoff: Ich unterstütze nicht viele Hilfsprojekte, ich bin nur eine Person, ich sage Ihnen nur genau, was ich mache, ich schleppe Kisten von A nach B und paar Leute können Ihnen die Fragen genau beantworten. Sie haben ohne mich zu fragen mich da irgendwie plötzlich wieder benutzt und sonst, ich sage nichts mehr dazu, ich wäre schon öfter wegen den Deutschen gestorben, weil die mich sitzen ließen im Krieg. Erst mich vorschicken, ich habe alles abgeliefert und später, warum hat mich denn mein Vermieter rausgeschmissen, weil meine Miete wurde nicht weiter bezahlt während ich als einziger Durchführender nicht mal mehr rausgeholt wurde. Ja - und da hab ich Zeugen, die ganze Weltpresse. Die Leute schämen sich jetzt nicht, sich hinzustellen öffentlich und mein Bild hochzuhalten.

Slomka: Frau Osthoff, hat sich die Bundesregierung denn sehr bemüht um Ihre Freilassung und warnt sie Sie jetzt noch einmal davor, sich noch einmal in Gefahr zu begeben?

Osthoff: Mich hat noch keiner gewarnt, ich bin jahrelang mein eigener Herr und ich bettle nicht. Das war eine reine Unterstützungsmaßnahme, die wir angefordert haben. Das hat eineinhalb Jahre gedauert (unverständlich), denn es ist ja nicht für mich, ich bin nicht unterstützt worden.

Slomka: Frau Osthoff, ich spreche jetzt von Ihrer Entführung. Da hat sich die Bundesregierung ja sehr bemüht, Sie frei zu bekommen und hofft natürlich jetzt, dass Sie nicht so bald in den Irak zurückkehren werden.

Osthoff: Wissen Sie warum sie sich bemüht haben, denn die können viel hoffen, denn das ist jetzt nicht die Frage. Die Frage sind Fakten. Fakt ist, dass wer hat mir den Druck gemacht und mir ein Gerichtsverfahren angedroht, der Mitarbeiter der Botschaft, und er würde noch Gnade ergehen lassen und es verschieben bis nach Januar. Zitat: "Wir brauchen hier keinen Arabisten, wir brauchen eine Abrechnungsstelle". Ich habe alles geliefert und da war es mir eh schon zu viel. Ich dachte aber, jetzt haben wir es geschafft, und es war ein großer Aufwand. Die 40 Familien müssen irgendwie weiter machen.

Sonst läuft es nicht, ich habe schon andere Finanzquellen für diese Projekte, da brauch ich nicht mehr betteln, und das Ganze ist sowieso gelaufen. Verstehen Sie? Und da brauch mich jetzt keiner hochjubeln, dass ich der humanitäre Held hier bin, ich weiß genau, was ich mache und da gibt es auch nur Verzerrungen. Ganz einfach. Die Leute, die mich kennen, die wissen, wie viele Kisten ich geschleppt habe und die Iraker wissen es auch.

Slomka: Aber was Sie jetzt in Zukunft vorhaben ...

Osthoff : Der andere, der sich noch einklinkt, und jetzt in meinem Namen wieder irgendwas behauptet, die sollen sich schämen.

Slomka: Frau Osthoff, Danke für das Interview.

Osthoff: Nein, ich sage Ihnen jetzt nur, wem ich da was zu verdanken habe. Ganz ehrlich mal, Nein, ich möchte das jetzt noch sagen: Ich danke Herrn Gerhard Schröder für diese Ansprache, denn das hat mir viel geholfen, Herrn Gerhard Schröder persönlich. Die Leute haben darauf Reaktion gezeigt, er als Mann und auch Charakter, der sich in der Welt darstellen kann, und den Arabern auch entsprechend das rübergebracht hat, das Ehrgefühl angesprochen hat, plus auch nicht in diesen Krieg eingestiegen ist.

Und einer Persönlichkeit, der ich sehr viel zu verdanken habe in dem ganzen Fall: Mohammed al Mohammed. Das sind zwei Personen, die ich bitte noch erwähnt haben möchte, denn ohne die würde ich hier wahrscheinlich nicht stehen und das wäre wichtig, dass die Leute sich mal ein paar Gedanken über den Hintergrund machen, dass sie nicht weit von dem Ganzen entfernt sind. Irak ist auch bei uns, ja, ich hab es Ihnen ja erwähnt warum.

Slomka: Ihre Schwester hat sich auch öffentlich sehr für Sie eingesetzt.

Osthoff: Diese Einsetzung möchte ich jetzt mal beiseite lassen, denn ich möchte bloß jetzt einmal wissen: hat sich einer mal nicht gefragt, wie ich da jetzt überlebt habe, dass ich überhaupt noch lebe? Es geht mir jetzt, wer sich dafür einsetzt, ich habe das nicht gesehen. Es gibt Fakten, weshalb da schon seit vielen Jahren keinerlei menschliche Kontakte bestehen, triftige Gründe und deswegen ist das jetzt nicht das Thema. Wenn ich etwas frage, dann tue ich es.

Slomka: Ich danke Ihnen für das Gespräch Frau Osthoff, ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute.

Osthoff: Ja, herzlichen Dank.

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,3256408,00.html

 
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