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Vergeßt Kyoto!
Für viele Menschen ist das Kyoto-Protokoll gleichsam die Bibel der Ökoreligion. Obwohl natürlich (fast) niemand das Protokoll wirklich gelesen hat, beziehen sich aber alle darauf, halten es für das
Gelbe vom Ei und fallen über jeden, der Kritik daran zu äußern wagt, her. Dabei gibt es auch andere Positionen: "Doch der Kyoto-Prozeß wird nicht nur von der Regierung Bush und der Öl-Lobby kritisch gesehen.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte eine Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern, darunter mehrere Nobelpreisträger, den „Kopenhagener Konsens”. Er besteht aus einer Prioritätenliste dessen, was es auf der Welt am vordringlichsten zu bekämpfen gelte; die globale Klimaerwärmung rangiert dabei auf einem der hintersten Plätze - weit hinter Aids,
Unterernährung, Handelshindernissen, Malaria, mangelnder Versorgung mit sauberem Trinkwasser und anderen Problemen in den am wenigsten entwickelten Ländern." Dieses Zitat entnahm ich einem lesenswerten
Artikel der heute in der FAZ erschien. Lord Dick Taverne veröffentlichte im März dieses Jahres „The March of Unreason - Science, Democracy and the New Fundamentalism” (Oxford University Press
2005). Sein hier abgedruckter Text ist die gekürzte Fassung eines Essays, der in der Augustausgabe des Magazins „Prospect” erschien: "Die Mitglieder des
britischen Oberhauses vermissen vor allem Anhaltspunkte über die Wahrscheinlichkeiten, mit denen die verschiedenen Klimaentwicklungen zu erwarten sind. Außerdem kritisieren sie Annahmen und Methoden, die automatisch zu den schwärzesten Szenarien führen. (...) Da wäre
etwa der Umstand, daß die möglichen Vorteile einer globalen Erwärmung mit keinem Wort erwähnt werden. Dazu gehören beispielsweise die positiven Auswirkungen höherer CO2-Werte auf manche Agrarpflanzen oder die Vorzüge, die mildere Winter für Nordeuropa bedeuten würden. In diesem Punkt weicht das von den politischen Vertretern genehmigte „IPCC
summary”, eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Befunde für Entscheidungsträger, entscheidend von dem Bericht der Experten ab."
Daß uns eine Klimaerwärmung ins Haus steht ist unbestritten, allerdings
"Der Kyoto-Prozeß ist eine bemerkenswerte Übung darin, sich und der Welt etwas vorzumachen. Stufe 1 wird keinen meßbaren Effekt auf die Klimaerwärmung haben. Weder Amerika noch Indien oder China - alles Länder, die zahlreiche neue Kohlekraftwerke bauen und die meisten Treibhausgase produzieren - haben vor, sich an den Stufen
1 oder 2 zu beteiligen. Man muß kein Wirtschafts-Nobelpreisträger sein, um einzusehen, warum das Kyoto-Protokoll in der Liste der realistischen Programme zur Lösung globaler Krisen ganz nach unten rutschen sollte."
Die Ablehnung vieler Deutscher und Europäer (übrigens auch Kanadier) der Politik Amerikas macht sich neben dem Irak-Krieg auch immer gleich am Kyoto-Protokoll fest. Unabhängig davon, daß die tatsächlichen wissenschaftlichen Aussagen ja niemand kennt, hilft dieses Protokoll die permanente
Kritik an Amerika zu untermauern. Auch hier haben wir wieder den Effekt, daß aus dem Bauch und selten mit dem Kopf argumentiert wird. Noch einmal Lord Taverne: "Die Lösung kann daher
nur in einer möglichst raschen technischen Entwicklung liegen. Doch es sind gerade die Vereinigten Staaten und nicht etwa Großbritannien oder Europa, die intensiv in neue Technologien wie die Versenkung von Kohlenstoffdioxyd oder Transportsysteme auf Wasserstoffbasis investieren. Eine internationale Vereinbarung über neue Technologien und
ihre Verbreitung wäre eine effektivere Antwort auf den Treibhauseffekt als der Kyoto-Prozeß mit seinen Sanktionen." Es bleibt also die Notwendigkeit sich frei von Ressentiments,
sachlich und konstruktiv auch mit den Positionen der Amerikaner und ihren Technologien auseinander zu setzen.
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