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Rumis Ghaselen* Nachdem wir gestern in den Medien über den hervorragenden Artikel von Navid Kermani „Unser
peinlicher Präsident“ im Feuilleton der ZEIT informiert wurden und ihn auch hoffentlich alle gelesen haben, blieb mir besonders ein Satz in Erinnerung:
„Als sich die Deutschen noch in ihren Wäldern verschanzt haben, hatte Iran schon eine Hochkultur.“
Das ist richtig und ich stand auf und trat an mein Bücherregal. Hatte ich nicht ein Buch über persische Dichtung? Da, Hanns Meinke*, hat Verse des persischen Mystikers und Derwisch Dschelaladdin Rumi „Rumis Diwan“ übersetzt und umgedichtet. Zitat aus dem Vorwort von Joachim Uhlmann:
„ Auch der persische Mystiker tilgte sein Ich in der Liebe, die bei ihm auf Allah zielte, aber am Menschen sich entzündete. (…) Seine Einswerdung mit dem göttlichen Geliebten war so innig, daß er anstelle seines eigenen Namens den Schamsuddins ans Ende seiner Gedichte setzte.“
Schamsuddim war sein geliebter Wanderderwisch aus Täbriz, der Rumis mystischer Lehrer war.“Merlin und Dschelaladdin Rumi, der erste im 12. und der zweite im 13. Jahrhundert, lebten und verkündeten die uralte Erkenntnis, daß die obere, geistige Welt der unteren, sinnlich entspreche – ja das Partizipieren an der oberen Welt dem Menschen nur
durch die Vermittlung seiner Sinne möglich ist.“
Aus Rumis Ghaselen (Auszug):
„ Welche Braut ist in der Seele!
Ihres Angesichtes Abglanz.
Frischt die Welt und färbt sie – wie der
Neuvermählten Wangen glühn!
Sieh nicht dieses Leibes Wangen –
Die verderben und verfallen.
Sieh den Geist als Rose prangen!
Mög sie süss und lieblich blühn!
Gleicht der Leib dem dunklen Raben
Und die Körperwelt dem Winter:
Trotz den Beiden! Denn dahinter –
Hier: ist Frühling ewig nun!
Und Navid Kermani beschwörend:
„Ich kann meine deutschen und israelischen Freunde beschwören: Leute, wirklich, glaubt mir, wir sind nicht so wie der, ich war doch selbst oft genug dabei, wenn der Staat Massenaufläufe organisiert wie den Tag zur Befreiung Palästinas. Das sind Volksfeste, die angeblichen Demonstranten werden da in Bussen angekarrt, es gibt Karussells,
Tombola und kostenloses Essen, die haben ihren Spaß.“
Auch das ist wahr. Meine Eltern hatten ein befreundetes iranisches Ehepaar, einen Exdiplomaten, geflohen, in Deutschland etabliert als Teppichhändler, anständig, tüchtig, seriös, alle „deutschen“ Primärtugenden vereinigend. Wenn mein Vater ihm einen Aperitif anbot pflegte er zu sagen: „Bitte
machen Sie die Gardinen zu, daß Allah mich nicht sieht!“ Und dann trank er auf unser Wohl.
Kermani:
„Ich kann tausendmal beteuern, dass die Iraner nicht so sind wie er, dass der neue Präsident eine verschwindende Minderheit repräsentiert, dass die Auszählungen im ersten Wahlgang manipuliert waren und selbst die zehn oder fünfzehn Millionen, die dem neuen Präsidenten in der Stichwahl ihre Stimme gegeben haben mögen, an alles Mögliche
dachten, an Jobs, an den Kampf gegen die Korruption, an seinen Gegenkandidaten Rafsandschani, den reichsten Mann Irans, aber nicht daran, Israel zu zerstören – als ob Iran bei einer Arbeitslosigkeit von 30 Prozent nichts Besseres zu tun hätte?“
Das ist überzeugend. Absolut. Wir sollten die Unbotmäßigkeiten, die Intoleranz der islamischen Religion, ihren Absolutheitsanspruch zurückweisen. Kompromisslos. Freiheit verträgt keine Kompromisse. Aber wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, daß es gerade unter den Iranern Gebildete gibt, die mit den Schreihälsen auf der Straße nicht zu tun
haben und haben möchten. Und dann erinnern wir uns bitte 60 Jahre zurück. Und erinnern uns der hysterischen Jubelschreie im Berliner Sportpalast auf die Frage von Goebbels: "Wollt Ihr Butter oder Kanonen?" Die Antwort ist bekannt.
* ghaselen aus rumis diwan - umdichtungen von hanns meinke, PAIAN DRUCK, Mai 1969 |
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