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Das Jelinek-Grass-Pinter-Syndrome
Das waren noch Zeiten als mein Großonkel zweiten Grades (Paul Heyse 1835-1926, Nobelpreis 1910 als erster Deutscher, heute fast vergessen) seinen Literaturnobelpreis bekam. Da ging es noch um Literatur und nicht um Hass. Es ging um Wortwahl, Versmaß, Jamben. Man bezog Stellung, emigrierte von Preußen nach Bayern
oder umgekehrt, war gegen die Obrigkeit oder arrangierte sich mit ihr. Der Feind war der Franzose (bei national Gesinnten), Intellektuelle schwärmten von der französischen Revolution und alle träumten von Amerika.
Heute gilt es als Schick Amerika als das Böse zu benennen. Da kann man sich des Erfolges sicher sein, denn die Gruppe der gehirnerweichten Westeuropäer, die das auch glauben, ist groß genug. Das macht auch Kasse. Also nach Elfriede in Austria, und Günther, dem Dauerflakhelfer nun Harold der Pinscher.
Meine Güte, gibt es denn keine anderen Identifikationspunkte? Der Antiamerikabazillus gleicht der Vogelgrippe. Ich fordere ein Importverbot für Viren die zwischen Buchdeckel gequetscht wurden. Bloß keine Pandemie. Offensichtlich ist auch die Nobelpreis-Akademie inzwischen infiziert.
Wenn die Jury Pinter den Nobelpreis mit der Begründung gibt, das er:
„in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freilegt und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung einbricht.“
bleibt mir das unverständlich. Sicher literarisch hat Pinter unzweifelhaft Qualität. Aber Irak als Raum der Unterdrückung wurde von den Amerikanern aufgebrochen und Pinter steht da eindeutig auf der falschen Seite. Ich habe es schon früher gesagt: Ein Schriftsteller lebt sein Wort und wenn
es ein fiktiver Stoff ist, ist seine abweichende Position vielleicht in eine Figur gepackt, der Grundkonsens seines Oeuvres aber spiegelt seine Haltung und politische Position wieder. Ja, es ist ein Literaturnobelpreis und nicht der Friedensnobelpreis. Aber ein Literat der sich politisch äußert, äußert sich mit seinem Werkzeug, der Sprache.
Ergo sind seine öffentlichen Äußerungen von seiner Haltung und seinem Werk nicht zu trennen.
Mal sehen wer im nächsten Jahr den Nobelpreis bekommt. Vielleicht Saddam. Er ist ja auch ein Dichter – was las ich neulich: Die Rosamunde Pilcher vom Tigris. |
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