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Zu meinen libertären, sagen wir ruhig radikal-libertären Lieblingsautoren gehört Roland Baader. Zwar sind seine Bücher populärwissenschaftlich verfasst, aber gerade deshalb lesenswert und unterhaltsam zugleich. Er schreibt nicht trocken , wie so viele seiner Kollegen, oft löst er den Aha-Effekt aus.
Aha, das habe ich auch gedacht! Der Mann schreibt von Dingen von denen er was versteht. man nimmt ihm ab, daß er bereits seine Erfahrungen im Kampf gegen staatlichen Dirigismus und organisierten Blödsinn geführt hat. Es ist klar, einer wie Baader polarisiert. Und er wird gern in die rechte Ecke gestellt. Aber gehört er da auch hin?
Mitnichten, er greift alle an, ob links, rechts, ob anerkannt oder eher unbedeutend. Baader ist zutiefst liberal und vertritt diese Positionen mit Nachdruck. Es gibt nicht viele Autoren die so den liberalen Freigeist stützen und argumentativ fördern wie er.
Mein Vater, Arzt und praktischer Intellektueller, warnte mich schon vor Jahrzehnten vor den Intellektuellen in Deutschland: „Die seien zwar alle schrecklich schlau, aber politisch dusslig…!“ Genau. Und im Verlauf der nächsten 40 Jahre konnte ich diese Erfahrung selbst machen. Wie oft endete eine Diskussion im Nirwana nebulöser Utopien, hatten
gerade die deutschen Intellektuellen Scheuklappen die sie nur in eine Richtung blicken ließen. Ideologisch festgelegt, nein vernagelt bis zum Abwinken. Weniger geistige Flexibilität als der Elektriker von nebenan. (Hier in Nordamerika ist man oft zumindest bemüht, sich auch mal mit der Gegenseite
zu befassen.) Nach der Lektüre des Buches „Totgedacht“ erkennt man sie alle wieder. Leider hatte ich noch nicht die Zeit alle Baader-Bücher zu lesen, aber jetzt werden die Abende wieder länger und da kann man das nachholen.
Und weil wir gleich einmal eine Kostprobe liefern wollen hier der
Original-Baader im Zitat: (Das ist übrigens so gut, daß könnte die Rebellog-Satzung sein...) Mein Traum
von Roland Baader
Ich träume von einem vollbesetzten Bundestag (wohl nur bei Abstimmung über Diäten-Erhöhung möglich). Plötzlich erhebt sich einer der Abgeordneten, allen anderen als aufrechtes Mannsbild bekannt, und tritt ans Mikrofon. Lange schaut er schweigend ins Hohe Haus, bis gespannte Stille eingetreten ist. Dann sagt er:
»Meine Damen und Herren: Ich bin ein glühender Anhänger des demokratischen Rechtsstaats; ich bekenne mich zur freiheitlichen, individualistischen und christlichen Kultur, Tradition und Zivilisation des Abendlandes und der freien westlichen Welt. Und genau aus diesem ernsten Grund sage ich allen hier versammelten Volksvertretern, allen Parteien,
Politikern und Regierungsmitgliedern: Ich brauche Euere Subventionen und Transferzahlungen nicht; ich will nicht Euer Kinder-, Mutterschafts- und Sterbegeld, nicht Eure tausend Almosen und milden Gaben, die Ihr mir vorher aus der Tasche gezogen habt - und mir und meinen Kindern noch in fünfzig Jahren aus der Tasche ziehen werdet. Ich brauche keine
subventionierte Butter, kein Quoten-Rindfleisch und keine preisgarantierte Milch, keine EG-genormten Planwirtschafts-Erbsen und keine ministergelisteten Medikamente; ich brauche keinen Schwerbeschädigten-Ausweis für meine Plattfüße und keinen Almosen-Freibetrag für meine pflegebedürftige Großmutter, auch keine Kilometerpauschale und keinen
Kantinen-Essensbon über eine Markdreißig. All' Euere Wahlfang-Pfennige und -Scheine könnt Ihr Euch an den Hut stecken. Aber: Laßt mich dafür auch in Frieden. Ich bin nicht Euer Buchhalter, Statistiker und Belegsammler, der die Hälfte seiner Lebenszeit damit zubringt, Euere Schnüffel-Bürokratie zu befriedigen, der von einem Paragraphen-Knäuel zum
anderen taumelt und sich wie eine gehetzte Ratte durch alle Kanalwindungen Euerer kranken Steuergehirne windet. Schickt Euer Millionenheer von Faulärschen und parasitären Umverteilern nach Hause, Euere Vor- und Nachdenker moderner Wegelagerei und Strauchdiebeskunst, Euere Bataillone von Steuerfilz-Produzenten, Labyrinth-Pfadfindern und
Paragraphen-Desperados, Euere Funktionärs-Brigaden von Verordnungs-Guerilleros und Stempelfuchsern, all' die nutzlosen Formularzähler und Arbeitsverhinderungs-Fürsten.Laßt mich einen festen, eindeutigen und ein-für-alle-mal fixierten Steuersatz zahlen, und bezahlt damit eine angemessene Verteidigungs-Armee und ein verläßliches Rechtswesen, aber
haltet Euch ansonsten heraus aus meinem Leben. Dies ist mein Leben; ich habe nur eines, und dieses eine soll mir gehören. Ich bin niemandes Sklave, niemandes Kriecher und niemandes Liebediener. Ich bin ein freier Mann, der für sein Schicksal selbst und allein verantwortlich ist, der sich in die Gemeinschaft einfügt und die Rechte anderer genauso
respektiert wie er seinen eigenen Pflichten nachkommt, der aber keine selbsternannten Ammen und scheinheilige Gute Onkels, keine ausbeuterischen Wohltäter und von mir bezahlte Paradiesverkünder braucht.Was ich brauche, das sind: Freunde, Familie und rechtschaffene Christenmenschen, in guten und in schlechten Zeiten; und ich bin Freund,
Familienglied und Christ, auch dann, wenn es anderen schlecht geht; aber dazu brauche ich keine Funktionäre und Schmarotzer, keine bezahlten Schergen und staatsversorgte Wohltäter. Dazu brauch ich nur die mir Nahestehenden und den Herrgott. Hier stehe ich. Gott helfe mir! Ich kann nicht anders!«
Originalquelle dieses Beitrages ist das höchst empfehlenswerte Buch von Roland Baader: "Kreide für den Wolf". (Ein Vorschlag von Roland Milelli)
Michaeal Miersch mit einer tollen Rezension in der Welt Bücher und Rezensionen
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Liberalismus.at
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