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Kapitalismuskritik -die Doofen klatschen immer Vor 35 Jahren stürzte sich, ich kann mich noch genau daran erinnern, die Presse
auf Helmut Horton (Deutscher Unternehmer und Kaufhausbesitzer, 1909 - 1987). Er hatte große Teile seines Vermögens in die Schweiz gebracht. Er wurde als Kapitalist beschimpft, wochenlang zogen die (dämlichen) Medien über ihn her. Das er gleichzeitig seinen Mitarbeitern große Abfindungen zahlte, sie in schwierigen Situationen unterstützte
wurde fast nirgends erwähnt. Dann kam ein investigativer Journalist (natürlich weiß ich seinen Namen heute nicht mehr) auf die Idee und untersuchte was der Horton konkret mit seinem Geld in der Schweiz machte. Saß er darauf, wie auf einem Sack Bohnen, ließ er es sich wie Dagobert Duck auf die Birne prasseln? Nichts davon. Er investierte in
Bauvorhaben (also bekamen Firmen Aufträge und deren Mitarbeiter hatten Arbeit), er kaufte Aktien und streute sein Kapital. In jedem Fall brachte er es in den Wirtschaftskreislauf zurück und ließ das Kapital arbeiten. Selbst wenn es auf der Bank lag, arbeitete es ja, denn die Bank lebt davon Geld zu verleihen, das andere benötigen um wiederum ihren
Geschäften nachgehen zu können. Natürlich fiel der Mob auf die Pressekampagne herein, einmal mangels Wirtschaftswissens, andererseits mangels kritischen Infragestellens aller Presseveröffentlichungen. Alle schimpften unisono. Nur die Horton-Mitarbeiter nicht.
Heute las ich in "Die Presse"-Wien folgenden hochinteressanten Artikel von Matthias Horx, den ich übrigens sehr schätze:
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=m&ressort=q&id=482409 Quergeschrieben:
Kapitalismus Plus
MATTHIAS HORX: ZUKUNFT PASSIERT (Die Presse) 14.05.2005
Der Kapitalismus ist in einem anderen sozialen Aggregatzustand angelangt.
Wer finanziert die mächtigste Organisation zur Verbesserung der Gesundheit in der Dritten Welt? Bill Gates hat die Hälfte seines Vermögens, 24 Milliarden Dollar, in eine Stiftung eingebracht, die mit Impfprogrammen Hunderttausende von Menschenleben rettet. Wer entwickelt Portale für die Selbsthilfegruppen von Patienten? Der Pharmahersteller
Betapharm. Wer schickt seine Mitarbeiter auf Aktionen zu Gunsten Obdachloser? Viele Beraterfirmen. Und die Wiener WU verlangt von ihren Elitestudenten den Nachweis sozialer Arbeitseinsätze
Längst ist der böse Kapitalismus in einem anderen sozialen Aggregatzustand angelangt. "Corporate Citizenship", die sozial aktive Rolle von Unternehmen, ist Kulturgrundlage moderner Großorganisationen. Alle Wirtschaftsorganisationen haben ein soziales Umfeld, haben einen Ruf zu verlieren, haben Mitarbeiter und
Angehörige von Mitarbeitern, haben kritische Konsumenten und Aktionäre. Sie sind wie Gesellschaften, in denen Kompromisse gefunden und manchmal harte Maßnahmen getroffen werden müssen. Der "Turbokapitalismus" ist in vielerlei Hinsicht gebunden, wie Gulliver von den Zwergen.
Die historische Zähmung des "Kapitalismus" (Was das ist, bleibt unklar. Ist Skandinavien "kapitalistisch"? Ist Österreich nicht eher ein katholosozialistisches Land?) ist die historische Leistung der Neuzeit. Die nächste Runde in diesem Prozess ist längst im Gange. Kapital wird zunehmend durch die "drei K" der Wissensökonomie ersetzt: Kooperation,
Können, Kreativität. Richard Florida, Erfinder der "Kreativen Klasse", spricht von "Kreativen Clustern", den Wachstumskernen der Zukunft.
Was passiert eigentlich, wenn das Kapital durch Humankapital ersetzt wird? Nein, dann entsteht nicht das goldene Paradies. Aber neue Mischungen der Dynamik und des Zusammenhalts in den Unternehmenskulturen. "Kooperatistisch-innovativer Turbo-Kapitalismus" könnte man das nennen. Über Nokia hieß es neulich: "Den neuen Führungsstil prägt eine seltsame
Mischung aus knallhart und butterweich. Wenn es um Zahlen geht, herrscht unerbittliches amerikanisches Finanzmanagement. Wenn es um Menschen geht, überwiegen die weichen skandinavischen Werte: Offenheit und Respekt."
Den dumpfen Antikapitalismus-Diskurs in Deutschland interessieren diese Entwicklungen einen Dreck. Seit Wochen werden in allen Talkshows nur noch dieselben dumpfbackigen Formeln gebetet, worauf das Publikum begeistert gegen "die da oben" Beifall klatscht. Wirtschaft, so der dräuende Unterton, ist eine kalte Perversion des Materialismus, der sich
nicht um die Menschen kümmert ("Der Idealismus muss den Materialismus naturnotwendig überwinden!!!", brüllte Hitler). Die Bild-Zeitung stellt an den Pranger ("Dieser Manager sahnt uns alle ab!").
So werden die kollektiven Seelen für den Populismus weich gekocht. Die wahren Heuschrecken sind nicht die bösen Spekulanten, sondern die opportunistischen Medien. Wenn Harald Schmidt nicht wäre, würde ich zum ersten Mal an der Zukunft verzweifeln. Wir sind Papst. Aber nutzt uns das was?
Matthias Horx ist Trend- und Zukunftsforscher. http://www.horx.com/
Link zu seinem Institut: Zukunftsinstitut | Startseite |
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