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Amerikaner - Rednecks? Es gibt Vorurteile die sind einfach nicht auszuräumen. Amerikaner sind oberflächlich, arrogant, wissen alles besser und hilfsbereit sind sie schon gar nicht. Meistens werden solche Vorurteile ja von irgendwelchen Gurken geäußert, die noch nie einen Ami getroffen haben. Und wenn doch? Dann suchen
sie zunächst ihre Vorurteile zu bestätigen. Dann gibt es andere "liebe" Landsleute, die sitzen zwar nahe Miami auf ihrem Handtuch, aber der linke Nachbar ist aus Kreuzberg und der rechte Nachbar ist aus Castrup-Rauxel. Nun, wo die USA, verständlicherweise, ihre Sicherheitsanforderungen erhöht haben und an den Flughäfen auch durchsetzen, damit bei
ihrem Nachbarn nicht irgendwelche Kabel aus den Schuhen schauen, ist man innerlich völlig fertig mit den Ami's. "Da flieg ich nicht mehr hin", habe ich wirklich mehr als einmal gehört. Und das von guten Freunden die mir sonst nahe stehen. "Ich habe einfach keine Lust mich deren Sicherheits-Paranoia auszusetzen..., basta!"
Dabei treffen die genannten Vorurteile auch auf viele Deutsche zu. Ich kann Ihnen auf Anhieb zahlreiche Bekannte nennen, alles fürchterlich schlaue Leute, die sowohl oberflächlich, als auch große Besserwisser sind. Und ihre Hilfsbereitschaft erschöpft sich mit einer Tsunamie-Überweisung die das
Gewissen beruhigen soll. Wir fahren also am 15. Mai für 2 Monate in die USA. Auf dem Hinweg platzt uns nach 200 km noch in Kanada der rechte Vorderreifen. Meine Frau steht mit den Kindern am Straßenrand, ich räume den Kofferraum aus, wechsele den Reifen. Das dauert alles in allem, weil die Straße abschüssig ist, der
Wagen sehr voll und der serienmäßige Chryslerwagenheber großer Mist, mehr als eine Stunde. Ungefähr 100 Autos brettern vorbei. Nicht ein kanadischer Autofahrer hält. So viel zum Thema Hilfsbereitschaft der Kanadier, die sich den Amerikaner vielfach überlegen fühlen dabei aber nur versuchen ihre tiefen Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. In
ihrer Anti-Amerikahaltung sitzen Deutsche und Kanadier in einem Boot. Und sind stolz auf ihre Illoyalität in der Irakfrage. 1500 km weiter sind wir in Virginia. Wir treffen wie üblich nicht einen Deutschen - schon deshalb nicht, weil die ja immer in die gleichen Destinations düsen und selten mal 4 km nach rechts oder links vom Wege abweichen. Aber wir treffen zahlreiche Amerikaner. Fast alle (männlichen) erzählen uns
von ihrer großartigen Zeit in Deutschland wo sie als Angehörige der Streitkräfte stationiert waren. Nie hören wir Vorurteile, ja selbst jetzt nicht wo Deutschland so illoyal ist. Erstaunlich viele haben irgendwo, weit zurück, deutsche Vorfahren. Dabei sind wir nie in deutschen Siedlergegenden. In unserem Appartment mit Garten erleben wir, als
Zaungäste, eine 3-Tage Familienfeier mit, etwa 30 Gäste mit zahllosen Kindern. Wir sind völlig platt: Nie haben wir eine ruhigere, diszipliniertere Feier erlebt. Nicht in Russland, nicht Deutschland, nirgendwo. In Deutschland schon gar nicht, weil da immer lautstark die Kinder zur Ordnung gerufen werden, ein Gast immer lauter als der andere Gast
spricht und sich alle gegenseitig überzeugen wollen. Und natürlich Musik in voller Lautstärke dudelt. Uns, quasi als Nachbarn, stellt man vor und füllt am Ende der 3 Tage-Party unseren Kühlschrank mit allen "Resten" an Getränken und Lebensmitteln. Wobei die Reste originale Salatbehälter, Wurst,
Käse und Getränke waren. Bei einem Reenactment werden wir von anderen, wildfremden Familien, da wir nun mal da sind, eingeladen mit zu feiern, z.B. bei einem Kindergeburtstag und wie selbstverständlich werden unsere Kinder und wir mit eingebunden bei den Kinderspielen, z.B. "Blinde Kuh". Die Herzlichkeit und
Aufgeschlossenheit ist überwältigend und da wir uns in Ft. Pocahontas auf historischen Schlachtenboden bewegen, kommen ernsthafte Gespräche über Politik und Geschichte zustande, die denen die wir in Europa geführt durchaus gleichwertig sind. Im Gegenteil das Fachwissen um geschichtliche Zusammenhänge, soweit es amerikanische Geschichte betrifft,
aber auch Weltgeschichte, ist umwerfend und habe ich so ganz selten in Deutschland erlebt. Später fahren wir zu Tom. Tom ist Farmer und Broker in Kentucky und besitzt ein ganzes Tal in den Kentucky Mountains. Vor zwei Jahren hatte er uns spontan eingeladen. Wir hatten uns am Strand in Virginia bekannt gemacht nachdem unsere Jungen miteinander gespielt hatten. Nun sind wir das zweite
Mal bei ihm und gehen bei ihm ein und aus, benutzen seinen Kühlschrank, seine Getränke und Lebensmittel. Mal kauft er ein, mal wir. Seine Großzügigkeit ist umwerfend und seine Herzlichkeit auch. Bei ihm lernen wir viele andere Menschen kennen, manche sind stolz auf ihren Redneck-.Status sind es aber nicht wirklich, sondern dokumentieren mit diesem
Wort nur ihre Unabhängigkeit. Die Gegend ist sehr religiös, an den Straßen stehen Schilder wie "Du kannst Dich nicht vor Gott verstecken. Gott hilft Dir überall!" oder "Jesus Christ - Son of a Jewish carpenter!" Nur wer geht zur Kirche? Niemand von denen die wir kennen gelernt haben. Man spricht eine offene Sprache, kennt keine Tabus und sitzt doch
tief in den Mountains. Der County ist ein "Dry-County". Also kann man keinen Tropfen Alkohol kaufen. Aber die Leute fahren mit ihren Pick-ups in die nächste Stadt und knallen den voll, daß sich die Achsen biegen. Jeder hat eine Gun (oder mehrere), wir ballern mit Kalaschnikow und Browning auf Dosen und unser Sohn (9) und Tochter (5) auch. Das macht allen Freude, schult das Auge und zwingt die Hand zur Ruhe. Man lernt schon als junger Mensch Verantwortung und Disziplin - denn rumalbern ist damit nicht.
Der letzte Mord, lieber Herr Moore, geschah hier vor 36 Jahren!! Ein Ehedrama. Der Mann hätte, hätte er keine Knarre gehabt, seine Frau auch mit dem Küchenmesser umgebracht. Wir Deutschen, aber auch andere Europäer und die kanadischen Gutmenschen haben immer noch nicht begriffen, daß Amerika ein Land voller extremer Gegensätze ist. Und das die
Gegensätze friedlich neben einander existieren. Viele unserer Freunde und Bekannten sind Vietnamveteranen. Die Frauen bestellen ihre Gärten, sind zum Teil berufstätig und nebenbei oder auch hauptberuflich begeistert künstlerisch tätig. Ohne Birkenstocksandalen, Selbstverwirklichungsdiskussionen, Weltverbesserungsgequatsche und intellektuelle
Borniertheit. Man macht einfach, und das ohne viele Umstände. Natürlich ist manches verwunderlich. In Richmond dürfen die Mädchen in der Bar "unten rum" nackt tanzen aber auf die Brustnippel müssen sie Sterne kleben. Wirklich seriöse Leute in meinem Alter, die
täglich mit Anstand ihren Beruf machen, erfolgreich sind und "ackern wie 3 Pferde" schmauchen ihre Marihuana- Zigarette. Warum auch nicht? Man kommt zusammen, plaudert etwas, schmaucht, spielt Tischtennis, isst zusammen und rauscht mit seinem SUV wieder ab. Tom hat seine Supervilla mit Pool und allen Schikanen verkauft und in den Bergen ein uriges
Haus aus 200 Jahre alten Eichenbalken gebaut. Das hatte er schon vor zwei Jahren gemacht. Aber hat keine Zeit, Küche, Bad und Toilette fehlen seit 28 Monaten und so geht er aufs Plumpsklo. Dafür kauft er, während er das Steak auf dem Grill wendet, und wir zuschauen, eine Wohnung in Florida (für sich) und 2 Farmen zum Weiterverkaufen und 350 Acres
Höhenrücken mit Wald oben in seinem Tal. Auf meine Frage "was er damit will", sagt er nur: "Damit mir nie jemand auf den Kopf gucken kann. Ich will's einfach haben!" Aha. Es ist eine arme, sehr arme Gegend. Dennoch, das Bekenntnis zur Fahne, der Stolz Amerikaner zu sein ist ungebrochen. Sicher, viele Menschen sind nicht so gut informiert über
Europa und den Rest der Welt. Aber nun seien Sie mal fair. Sie wissen auf Anhieb, das Rom die Hauptstadt von Italien ist und Athen von Griechenland. Wir sind ja auch in der "Union". Kennen Sie die Hauptstadt von Malte? Na? Nennen Sie doch mal die Hauptstadt von Wyoming oder von Indiana. Können Sie nicht auf Anhieb? Warum erwarten Sie, daß das bei
einem Amerikaner wie aus der Pistole geschossen kommt? Die USA haben 321 Millionen Einwohner in 50 Staaten. Europa hat 380 Millionen Einwohner in 15 Staaten (bald 21). Unsere Medien berichten auch mehr aus Paris und London. Und nichts aus Tucson oder Baltimore. Wir sollten nicht so überlegen tun. |
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