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Münte im Blog Wie setzt man sich mit Müntefering in den Medien und in andren Blogs auseinander? Hier einige Beispiele. Besonders gut
gefällt mir der Kommentar in der WELT: http://www.wams.de/data/2005/05/01/713149.html?prx=1
Freiheitsfabrik Kosmoblog
Davids Medienkritik Politically Incorrect
Fakten & Fiktionen Euroneuzeit
Münteferings zerstörerisches Werk
Leitartikel
von Christoph Keese http://www.wams.de/data/2005/05/01/713149.html?prx=1
Franz Müntefering hat Gold gefunden. Seine Kapitalismuskritik trifft auf breite Zustimmung des Publikums. Ermuntert vom Beifall, wiederholt der SPD-Vorsitzende seine Attacken gegen das internationale Kapital in zunehmend aggressiver Form. Sein Vergleich von Investoren mit Heuschrecken war kein Ausrutscher. Um Zweifel auszuräumen, wen er mit der
Schmähung gemeint haben könnte, ließ er eine Liste mit angeblich rücksichtslosen Investoren aufstellen. Darauf stehen vor allem Risikokapitalgeber. Viele Eigentümer dieser Firmen sind amerikanische Juden.
Deutschlands oberster Sozialdemokrat zeigt keine Skrupel, jüdische Finanziers mit Heuschrecken zu vergleichen, die Vermögen und Arbeitsplätze von Deutschen vernichten. Er stigmatisiert Investoren als raffgierige Beutelschneider. Antikapitalismus und Antisemitismus liegen dicht beieinander. Müntefering vermischt diese Ressentiments. Sein Gebräu
würzt er mit Isolationismus und Nationalismus, fertig ist das Gift: Es entsteht der falsche Eindruck, internationale Kapitalisten würden uns die Arbeit wegnehmen. Diese Kritik ist unfair und weit überzogen.
Mit seiner Liste schwächt Müntefering seine eigene Argumentation. Warum greift er keinen deutschen Konzern an? Offenbar hat seine Recherche ergeben, daß Arbeitgeber mehr Verantwortung und Patriotismus zeigen als er glaubte. Fast jede Firma schleppt schwache Kollegen mit durch, viele Manager sind stolz darauf, Arbeitsplätze zu schaffen und
Kündigungen zu vermeiden. BMW stellt in seinem neuen Leipziger Werk bewußt eine hohe Quote Über-Fünfzigjähriger ein. Etliche Mittelständler verzichten auf eigenen Gewinn, bevor sie schweren Herzens Leute entlassen, wenn die Umsätze sinken.
Weil er kein einziges stichhaltiges Beispiel für Raubtier-Kapitalismus in Konzernen fand, flüchtet Müntefering in eine Attacke auf Wagnisfinanziers. Was aber wirft er ihnen vor? Daß sie Firmen wie Wincor-Nixdorf übernommen, saniert und mit Gewinn verkauft haben. Doch was soll daran falsch sein? Wer ein Auto billig kauft und teuer verkauft, dem
steht der Gewinn zu. Bei Firmen sollte das nicht anders sein.
Harald Schartau, linker SPD-Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen, hatte erst im April die "sensationelle Entwicklung" bei Wincor-Nixdorf nach dem Verkauf ausdrücklich gelobt. Jetzt nutzt sein Parteichef diesen Fall als Beispiel für Heuschrecken-Plagen. Münteferings Recherche ist oberflächlich. Sicher: Im Zuge der Sanierung haben Finanziers
Arbeitsplätze gestrichen. Das ist bedauerlich, aber damit haben sie die restlichen Jobs gerettet. Vielleicht gab es hier und da skrupellose Investoren, die nur auf das Zerschlagen ihrer Zukäufe aus waren. Aber das sind Ausnahmen, die einen solchen Angriff des SPD-Chefs nicht rechtfertigen. In ihrer Mehrzahl sind Wagnisfinanziers verantwortungsvolle
Unternehmer, die eine wichtige Aufgabe wahrnehmen.
So wäre zum Beispiel der TV-Sender Premiere ohne Wagniskapital untergegangen und hätte heute keine 1595 Mitarbeiter. Oft genug hat die SPD-Regierung selbst Staatsfirmen an Wagnisfinanziers verkauft, zum Beispiel die Bundesdruckerei oder die Servicekette Tank & Rast. Müntefering hätte das als Minister und Funktionär verhindern können. Doch wie
Gerhard Schröder und Hans Eichel hat er das Geld der angloamerikanisch-jüdischen Kapitalisten gern genommen.
Vermutlich wird Münteferings nationaler Sozialismus die SPD in NRW nicht retten. So schafft er es, maximalen Schaden bei minimalem Nutzen anzurichten. Für die Partei springt nichts heraus, dafür sickert die Marx-Engels-Lenin-Rhetorik tief in das kollektive Bewußtsein ein. Viele Menschen werden nicht hinterfragen, was Müntefering verkündet. Sie
werden ihm glauben, nach dem Motto: "Gut, daß das mal einer sagt."
Es wird Jahre mühsamer Aufklärungsarbeit kosten, bis Münteferings Vulgär-Antikapitalismus in Vergessenheit gerät. Bis dahin werden die Heuschrecken Münteferings Aufruf folgen und in andere Länder ziehen. Ihre Milliarden-Investitionen nehmen sie mit. Dann kann die SPD sehen, wie sie Jobs ohne Kapital schafft. Ein moderner Industriearbeitsplatz
kostet mehrere hunderttausend Euro. Mit seiner Attacke leitet Müntefering eine Politik der De-Idustrialisierung ein. Was US-Finanzminister Henry Morgenthau nach dem Zweiten Weltkrieg nicht geschafft hat, könnte Müntefering erreichen, wenn er sich durchsetzt: die Rückkehr in den Agrarstaat.
Ein guter Weg, die Wirtschaftskrise zu beenden, wäre die Wiederbelebung des Glaubens an Freiheit. Wachstum und Jobs entstehen vor allem durch Neugründungen. Im Dickicht der Überregulierung bleiben zu viele Initiativen stecken. Allein mit der Pflege des alten Firmenbestands ist ein Jobwunder nicht zu schaffen. Mit den bisherigen Reformen wurde nicht
zuviel, sondern noch immer nicht genug Freiheit geschaffen. Auch die neue Kapitalismuskritik wird in weitere Freiheitsbeschränkungen münden. Niemand will alle Regeln abschaffen, auch der ärgste Liberale nicht. Es geht nur darum, eine bessere Balance zwischen Freiheit und Kontrolle zu finden. Darin sollte eine moderne SPD ihre wichtigste Aufgabe
sehen.
Artikel erschienen am 1. Mai 2005
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