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"Arbeitslosigkeit ist eine Folge von Unternehmerlosigkeit" sagen Maxeiner und Miersch. Und damit haben sie recht. Ich gebe zu das die Beiden nicht nur hervorragend schreiben können (bin aber nicht neidisch), sie bringen
die Dinge auch auf den Punkt. Die Geschichte von dem Internet-Buchhändler habe ich, in einer anderen Branche, genau so selbst (amk eigenen Leibe....) erlebt. Deshalb liegen auch Müntefering und Lafontaine so falsch. Ich erinnere mich genau. Vor einigen Jahren machte eine Druckerei in Berlin-Wedding zu. 650 Arbeitsplätze gingen verloren. Es war ein
riesiger Aufriss und alle (Lokal-) Politiker drängelten sich in der Abendschau. Natürlich auch der Reg. Bürgermeister. Mit Staatsknete wurde dann die Pleite etwas abgefedert und verschoben. Zur gleichen Zeit machten in Berlin viele Kleinunternehmer mit bis zu 20 Beschäftigten ihre Bude dicht und fielen teilweise dem Arbeitsamt zur Last. Kein Aas
kümmerte sich darum. Ich kann die Quelle nicht mehr benennen, es ist ja etliche Jahre her, aber ich erinnere mich das der Arbeitsplatzverlust und Steuerausfall ein vielfaches betrug von dem was die Druckerei erwirtschaftet hatte. Einige kannte ich persönlich. Von denen wanderten zwei aus und sind heute im Ausland erfolgreich, 3 gingen zum
Arbeitsamt. Von denen fand einer Arbeit und zwei blieben Langzeitarbeitslose. Zur Vertiefung und zum Nachlesen der Link in Die Welt.de: Die Welt.de,
Artikel v. 20.04.2005 | Rubrik: Forum,
http://www.welt.de/data/2005/04/20/707194.html?search=Unternehmerlosigkeit&searchHILI=1 Unternehmerlosigkeit
Kolumne
von Maxeiner und Miersch
In Deutschland beherrschen gerade zwei Gruftie-Fraktionen die Wirtschaftsdebatte. Die einen, wie Gerhard Schröder, setzen unverdrossen auf Arbeitsplatzwunder durch Großkonzerne. Mit Regierungshilfe eingefädelte und abgesicherte Großaufträge - wie kürzlich mit Wladimir Putin auf der Hannovermesse - sollen es richten. Die anderen, wie Müntefering,
geißeln genau diese Konzerne als globale Ausbeuter und Ursache unserer Arbeitsplatzmisere. Beides ist hoffnungslos von gestern und lenkt nur ab. Zwei Drittel der Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland hängen am Engagement von kleinen und mittleren Betrieben - und denen hilft weder Schröders Konzernglaube, noch trifft sie Münteferings
Kapitalismuskritik.
Ein kleines Beispiel: Ein Freund von uns hat sich vor einigen Jahren mit einem Internet-Antiquariat selbständig gemacht, er beschäftigt mittlerweile ein halbes Dutzend Mitarbeiter und könnte sein Auskommen haben. Doch leider hatte er kürzlich so viel Erfolg, daß ihm das Finanzamt sämtliche Rücklagen plünderte. Ein einziges gutes Jahr, und der
Fiskus schlägt so rabiat zu, daß nichts mehr übrigbleibt. Ist das nächste Jahr dann schlechter, und man würde gern auf Ersparnisse zurückgreifen: Pech gehabt. Auf diese Art und Weise fördert der Staat nicht Gründungen, sondern Insolvenzen.
Im Gegensatz zu den gut abgesicherten Managern großer Konzerne tragen die Inhaber von kleinen und mittleren Betrieben tatsächlich noch ein persönliches Risiko. Es ist eben nicht nur die Firma weg, sondern in der Regel auch das in der Not beliehene Privatvermögen futsch. Kein Wunder, daß kaum noch jemand Lust hat, sich auf so etwas einzulassen. Wir
bezahlen zwar immer aufgeblähtere Bürokratien, um die über sechs Millionen Arbeitslosen zu betreuen und zu verwalten. Jene Menschen, die neue Arbeit schaffen könnten, treten indessen allmählich in den Streik. In keinem Industrieland ist der Prozentsatz der jungen Gründer so niedrig wie bei uns.
Arbeitslosigkeit ist eine Folge von Unternehmerlosigkeit. "Hätten wir in Deutschland statt Millionen Arbeitslosen Millionen Menschen mit permanenten Zahnschmerzen, sofort würde der Staat alles tun, um Studenten zu Zahnärzten auszubilden", formuliert es der Verband der freien Arbeitsvermittlungs-Agenturen. Doch weit und breit fehle es an
Initiativen, fähige Menschen davon zu überzeugen, Unternehmer zu werden.
Eine globale Vergleichsstudie zur Selbständigkeit nennt als eine der wichtigsten Ursachen die Ausbildung an Schulen und Universitäten. Die Jungendlichen würde zuwenig mit der Idee der Selbständigkeit vertraut gemacht. Das ist sehr milde ausgedrückt. Unser Freund der Antiquar hat uns dazu ein sehr prophetisches Buch herausgesucht, es heißt "Reichtum
von unten" und wurde vor zehn Jahren von zwei deutschen Professoren geschrieben. "Unsere Schulen produzieren Analphabetismus in Sachen Entrepreneurship und damit eine Bildungskatastrophe von verhängnisvoller Wirkung", heißt es darin. "Unternehmer sind das Ergebnis biographischer und/oder charakterlicher Entgleisungen, jedenfalls nicht das Produkt
pädagogischen Bemühens."
Selbst in den Wirtschaftsfakultäten schielt der Nachwuchs lieber auf ein warmes Plätzchen in einem großen Konzern, als sich den Wind des Wettbewerbs ins Gesicht blasen zu lassen. Der Wunsch der Tochter, sie wolle sich selbständig machen, löst im deutschen Beamtenhaushalt Panik und Verzweiflung aus. Kürzlich verbrachten wir einen Abend in einem
Kreis jugendlicher Schwarmgeister. Sie versicherten uns, die Welt aus den Angeln heben zu wollen - allerdings brauchten sie als Basis dafür eine feste Stelle an der Uni.
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