| |
Herr Eichel, Herr Trittin, Herr Schröder und Walmart Ein Artikel der mir aus der Seele spricht.
Allerdings ist es in Canada und anderen Ländern nicht besser. Nur - wir Deutschen sind mal wieder die Raser auf der Überholspur. Wenn wir was machen machen wir's ja gründlich. Nach dem Bau von Schlachtschiffen, der perfekten Nutzung der Eisenbahn zum Transport jüdischer Familien, dem grünen Punkt, nun die Bankkonteneinsicht und
Putzfrauendenunziation. Weiter hier: http://achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=453&ref=0 Deutschlands Wal-Martisierung
Kolumne von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT am 23.03.2005:
Konzerne geraten in Deutschland schnell auf die Anklagebank, besonders amerikanische. Im Moment herrscht Aufregung über die Supermarktkette Wal-Mart. Das Unternehmen hat seinen Mitarbeitern einen Ethik- und Verhaltenskodex zugeschickt, an den sich jeder zu halten habe. Das Regelwerk strotzt (wie in US-Konzernen durchaus üblich) nur so vor
politischer Korrektheit und greift selbst intime Dinge wie das Liebesleben der Mitarbeiter auf. Überdies habe jeder die Pflicht „tatsächliche und vermutliche Verletzungen dieser Ethik“ den Vorgesetzten zu melden. Der Betriebsrat, die Gewerkschaft Verdi sowie linke Netzwerke gehen gegen den „Missbrauch der Ethik als
Disziplinierungsinstrument“ auf die Barrikaden und fechten „Liebesverbot“ und „Schnüffelparagraph“ vor Gericht an. Richtig so! Unternehmen sollen sich gefälligst aus dem Privatleben ihrer Mitarbeiter raushalten und ihnen keine persönlichen Wertvorstellungen aufzwingen.
Eines muss man uns allerdings erklären: Warum schweigen die gleichen Kreise, die sich gegen Anmaßungen von Wal-Mart wehren, wenn der Staat seine Bürger mit Gesinnungsschnüffelei überziehen will? Der Entwurf des Anti-Diskriminierungs-Gesetzes entspringt dem gleichen Geist wie der Wal-Mart Kodex, manche Paragraphen ähneln sich sogar
verblüffend. Wo bleibt der Protest von Verdi & Co? Schließlich soll unter dem Vorwand Benachteiligungen zu bekämpfen ein ganzes Land den moralischen Wertvorstellungen seines derzeitigen Führungspersonals unterworfen werden. Unternehmerische und private Entscheidungen stehen als mögliche Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Rasse,
ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Alter, Behinderung oder sexueller Orientierung unter Generalverdacht. Und wer beschuldigt wird, muss seine Unschuld beweisen, womit der Grundsatz „in dubio pro reo“ ausgehebelt wäre – und damit eine tragende Säule des Rechtsstaates. Wenn das so kommt, sehen Deutschlands Bürger massenhaften
gerichtlichen Gesinnungsprüfungen entgegen.
Der „Missbrauch der Ethik als Disziplinierungs-Instrument“ gehört hierzulande schon länger zum festen Repertoire staatlicher Institutionen, die moralische Wal-Martisierung Deutschlands schreitet munter voran. Das reicht von der allgemeinverbindlichen Multi-Kulti-Seeligkeit, zu deren Durchsetzung sogar die gesetzlichen Visa-Bestimmungen
gebeugt wurden, bis zum „Aufstand der Anständigen“, der alle zu „Unanständigen“ stempelte, die an Sinn und Wirksamkeit dieses verordneten „Aufstandes“ zweifelten. Das dabei heruntergeleierte antifaschistische Mantra erinnert an die morgendlichen Anfeuerungsschreie des Wal-Mart-Personals, den so genannten „Wal-Mart-Cheer“: Zuerst wird
gemeinsam der Firmenname buchstabiert, dann folgt der Wechselrefrain: „Wer ist die Nummer eins?“ – „Der Kunde!“. Als regierungsamtliche Version schlagen wir vor: „Wo ist das Böse?“ „Rechts!“ „Und wer ist rechts?“ „Jeder, der nicht unserer Meinung ist!“
Auch in puncto „Schnüffelparagraphen“ ist Wal-Mart nicht alleine. Erinnern Sie sich noch an die Aufforderung, die möglicherweise schwarz beschäftigte Putzfrau des Nachbarn zu melden? Oder qua Wohnungsdurchsuchung in Flagranti zu überführen? Das war dann doch ein bisschen starker Tobak. Stattdessen dürfen jetzt private Bankkonten von
Behörden ohne irgendeinen Verdacht kontrolliert werden. Auch der Zugriff auf Telefonate und E-Mails wird immer schrankenloser vorangetrieben. Merke: Die kollektivistische Disziplinierung der Bundesbürger ist sehr viel weiter gediehen als die der Wal-Mart-Belegschaft . Und im Gegensatz zu den Wal-Mart Angestellten können die Deutschen noch
nicht einmal kündigen.
|
|