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Die
Gesetze hatten wir für UNS geschrieben
Denn
Tod ist elementar; das Einzige, was uns sicher ist.
(Ernest Hemingway)
Als ich vor vielen Jahren „Tod
am Nachmittag“ von
Ernest
Hemingway las war ich begeistert. Die detaillierte Schilderung
der Vorbereitungen, des Kampfes, das Leben der Matadore.
Für einen Berliner Schüler, der Stiere allenfalls aus dem
Fernsehen kannte, und ansonsten lediglich im Urlaub Kühe auf Weiden
gesehen hatte, war diese Begeisterung vermutlich ungewöhnlich.
Klassenkameraden lasen anderes.
Ich begann mich, natürlich
nur theoretisch, mit dem
Stierkampf
näher zu befassen und las ergänzende Bücher. Nach einer Weile war für
mich Stierkampf gleich Spanien und Spanien gleich Stierkampf. Später
las ich viele Romane die in Lateinamerika oder Mexiko
spielten und das ganze kulturelle Umfeld übte stets eine starken Reiz
aus mich aus. Geplant ist, nach unserem Aufenthalt in Israel,
auch für 2 Jahre nach Mexiko oder Chile zu gehen.
Die EU machte mir von
Anfang an zu schaffen. Sehr schnell merkte ich, dass die im Grunde
faszinierende Idee eines friedlichen Europa, von der EU
korrumpiert wurde und nur am Rande eine Rolle spielte. Unter dem
Deckmantel dieser Idee wurden und werden, vor allem von einer
demokratisch nicht legitimierten Superbehörde, Regeln und
Verordnungen erlassen, die tief in das Leben des einzelnen Europäers
eingreifen. Auch positiv Gestimmte können das so nicht gewollt haben.
Ein ganz wesentlicher Vorwurf aber, den ich der EU mache, (andere
scheint das gar nicht so zu stören), ist die Zerstörung nationaler
Identitäten zugunsten eines egalisierten Europa, in dem vom
Nordkap bis Sizilien die gleichen Normen herrschen.
Als Deutscher nenne ich
natürlich, weil griffig, den Kampf um das Reinheitsgebot des Bieres
von 1516. Aber auch Spanien, so erinnere ich mich genau, kam in
die Diskussion wegen seiner Tierschutzgesetze und der
Stierkämpfe. Sie entsprachen nicht der europäischen Norm. Warum
aber sollten sie? Die Tradition des Stierkampfes gibt es seit 250
Jahren.
Ich bin mir bewusst, dass ich
mir, mit der Befürwortung des Stierkampfes, nicht viele Freunde
machen werde. Das ist mir schnurz. Aber ich wähle dieses Beispiel aus
einem ganz anderen Grund. Die Frage ist, die wir uns zu stellen haben,
wieweit dürfen wir, oder eine supranationale Behörde,
von außen in die kulturelle Identität eines anderen Volkes
eingreifen. Oder auch anders: Wie weit können wir es zulassen, dass
unsere Identität verändert wird.
Auslöser all dieser
Überlegungen ist das
Bild des Afghanen, der sich eine 11jährige
Frau gekauft hat. Die er demnächst heiraten und vermutlich schwängern
wird. Die Presse spricht von vergewaltigen. Ich habe gesurft:
Die weltweite Empörung über diese Akt der Grausamkeit ist
unisono. Kein Medium, kein Blog der das rechtfertigen würde. Leon
de Winter, den ich sehr schätze,
schreibt in seinem Essay:

"Es gibt Menschen, die dieses
Bild ansehen und einfach weiterleben können. Ohne Ekel, Brechreiz und
Wut. Was wir sehen, ist heftigste Barbarei."
Da hat er recht. Aus
unserer Sicht absolut recht. Und als Vater einer 30 jährigen,
besonders aber 8 jährigen Tochter sehe und empfinde ich genau
so. Ist es nicht unvorstellbar, dass wir so etwas mit unseren
Töchtern zuließen?
Und dennoch. Es bleiben
Fragen. Leon de Winter schreibt:
"Gleichzeitig realisiert das
Mädchen, dass es nicht richtig ist, was ihm widerfährt. Vielleicht
denkt sie, es sei "natürlich", als junges Mädchen verkauft zu werden,
aber sie weiß auch, dass es nicht gut oder rechtmäßig ist, dass sie
den Rest ihres Lebens als Sklavin dieses Mannes verbringt. Es ist eine
Art von Wissen, das über Erfahrung hinausgeht, ein Wissen, das in der
Menschlichkeit, den Träumen und Hoffnungen des Mädchens wurzelt."
Woher weiß Leon de Winter
das? Hat das Mädchen ihm das gesagt, hatte er die Chance sie zu
befragen? Das Foto beeindruckt, die schönen Augen des Mädchens
schauen zu dem Mann. Das ist es was der Betrachter sieht. Als
leidlicher Fotograf und jemand der auch
seine Kinder fotografiert, weiß ich natürlich, dass der
Gesichtsausdruck sich in Sekunden ändert. Wenn man die Kamera auf
Serie stellt kann man zig Fotos hintereinander schießen. Mit
etlichen Variablen, wie veränderter Beleuchtung etc. Wir wissen nicht,
wie viele Aufnahmen
Stephanie Sinclair geschossen hat. Jedenfalls hat sie das Foto
ausgewählt, das sicherlich am meisten beeindruckt. Und das tut es.
Aber lassen wir mal die
von der Presse vorgegebenen Interpretationen weg. Was sehen wir
wirklich. Ein Mann, ein Kind. Beide sitzen auf dem Boden (Herr Gott,
nicht mal Stühle…. ) und dahinter sind zwei Kissen und ein Vorhang.
Gedankensprung in eine
Illusion, aber eine vorstellbare: Vor einigen Wochen landete ein
Raumschiff genau hinter unserem Ort. Laserbewaffnete Soldaten eines
fernen Planeten haben unsere Gegend umstellt, auf den Bergen
Beobachter aufgestellt, die öffentlichen Gebäude okkupiert und etliche
Widerständler getötet. In der vorigen Woche nun kam der entscheidende
Akt. Auf einer Versammlung im Stadion, in das alle Bürger mit
„Nachdruck“ getrieben wurden, las der Kommandante des Raumschiffs den
Bürgern aus dem neuen Rechtsbuch vor. Dieses Rechtsbuch, seit
Jahrhunderten auf dem fremden Planeten erprobt und angewendet, solle
nun auch ab sofort in unserem Lande Gültigkeit haben.
Schon nach wenigen Minuten
wusste ich, das diese neuen Normen sich ganz wesentlich von
unseren unterschieden. Nichts, aber auch gar nicht hatten diese
Gesetze mit unseren gemein. Es waren komplett andere sittliche,
religiöse, moralische, etische Standards, die wir widerspruchslos zu
übernehmen hatten.
Noch in der Nacht ging ich
mit meiner Frau, meinen Kindern, Freunden und Nachbarn in die
Geheimhöhle, hinten, hinter den Bergen. Gut, das wir vor langer Zeit
ein Waffenlager angelegt hatten. Am nächsten Morgen erschoss ich 4
außerstellare Wachtposten. Ich war jetzt ein Geächteter, aber ich
würde dafür sterben die Ehre meiner Frau, meiner Kinder, unsere Moral
und Sitten zu verteidigen. Wieso sollte ich die des Planeten X
übernehmen?
Also konkret: Ich suche den
Kampf nicht. Ich möchte nur so weiter leben wie immer, mir gefällt’s. So
haben schon meine Eltern und Großeltern gelebt und deren Eltern und
Großeltern. Nur die technische Ausstattung hat sich verändert (statt
Rubbelbrett nun Miele, statt Pferd nun Auto) und das allgemeine
Wissen. Aber man lässt mich nicht. Man will mein Leben
verändern - gewaltsam. Ich habe das Recht mich zu verteidigen. Wer
will es mir absprechen? Niemand den ich kenne, nur die Okkupanten.
Also erschieße ich jeden der
sich mir in den Weg stellt. Es ist mein, es ist unser Freiheitskampf.
Der Kampf um unsere Lebensform.
Zurück zum Stierkampf. Ist es
nicht eine Anmaßung von uns, den Spaniern sagen zu wollen was
Tierschutz ist? Ihnen den Stierkampf zu nehmen? Ausgerechnet wir,
die wir noch vor einigen Jahrzehnten und teilweise auch heute noch, in
schlagenden Verbindungen, uns gegenseitig mit dem Degen
die Fresse verunstalteten?

Ist es nicht eine Anmaßung
von uns, den kanadischen Robbenschlächtern, die ebenfalls Frau
und Kind ernähren müssen, in ihr Handwerk zu pfuschen und das
Keulen von Robben zu verbieten? Wir, die wir Robben nur aus dem
Zoo kennen? Wir, die wir Robben so süß finden weil sie dem
Kindchenschema
entsprechen, das an unseren Emotionen rüttelt? Aber
nicht an unserem Verstand?
Ist es nicht eine Anmaßung
sondergleichen unsere Vorstellungen von Herrschaft und Demokratie den
Paschtunen
aufzudrücken? Ihre Stammestraditionen, Riten und Gebräuche
hinwegzufegen und durch unsere zu ersetzen? Denen, die, wie Leon de
Winter schreibt, das Wort Liebe
„ein Wort
aus fernen Gedichten und Liedern, ein Wort aus dem dekadenten Westen,
(ist)
wo sie keine Ahnung haben von der Härte einer Existenz in der Wüste
und vom unaufhörlichen Krieg, der die Essenz des Lebens ist, in diesem
Teil der Welt.“
Ich weiß nur
eines. Wäre ich ein Taliban, (Gottlob wurde mir die Gnade
zuteil im Westen geboren zu sein, ja westlich der Mauer…), also wäre
ich ein Taliban, ich würde die Okkupanten meiner Berge mit
Unverständnis anschauen. Und ich würde mich ihrer erwehren.
Mit aller Gewalt und ohne Schonung. Ich würde die mir
versprochene Jungfrau mit Wonne nehmen und mich fortpflanzen um
meinen Samen weiterzugeben, meinen Stamm zu erhalten. Und da ich
heute über mehr als einen Knüppel verfüge, würde ich meine
Kalashnikov einsetzen, meine Panzerfaust und meine Handgranaten.
Und es wäre mir egal, warum sollte es mir nicht egal sein, ob ich
Amerikaner, Deutsche oder Briten töte.
Denn ich
will leben wie ich will, essen was ich will, vögeln wen ich will
und mein Feld bestellen.
Denn wenn
ich mich nicht wehre, kommen sie und bringen ihre Gesetze mit, die
nicht meine sind. Und ich fürchte um den Fortbestand meines Stammes.
Und wir werden weniger Kinder haben, so wie die Deutschen auch
weniger Kinder haben. Und am Ende kommt die
PETA und ich darf im Winter
keinen Pelz umhängen, soll
vegan leben und
meinen Hammel nicht mehr schlachten.
Und wäre ich
Amerikaner würde ich mich der illegalen Eindringlinge erwehren.
Die, die von Süden kommen. Und beträten sie mein Grundstück hätten sie
ein Loch – genau zwischen den Augen im Kopf.

Und auch
als Deutscher ist es mein Recht mich zu wehren. Gegen eine
Veränderung des wundervollen, durch die Aufklärung, Bildung und
Erziehung gepflegten Wissens um Menschenrechte, um Frauenrechte,
um Demokratie und Achtung wie wir sie verstehen. Wehren gegen
Minarette, Moscheen und Machtzentren einer fremden
landesuntypischen Ideologie namens Islam. So wie ich mich, wie wir uns
gewehrt haben gegen den Kommunismus und eine kommunistische
Okkupation.
Und jetzt
gilt es an mehreren Fronten zu kämpfen. Denn es sind neue
Feinde die uns verändern wollen. Die Eingreifen wollen, die ihre
Normen und Vorstellungen mitbringen, die nicht die meinen, nicht die
unseren sind. Nicht, das ich nicht einige säkulare Muslime als
Nachbarn haben könnte, ja sogar einen EU-Beamten würde ich
ertragen.
Aber es sind
nicht ein Nachbar, nicht ein harmloser Beamter. Es sind
Systemveränderer. Feinde, die uns ihre Lebensformen aufzwingen
wollen. Die uns unsere Identität rauben wollen. Feinde, die
ihre Rechtsbücher mitbringen. Wie der Kommandante vom anderen
Planeten.
Deshalb:
Ja, das Foto beeindruckt auch mich. Es ist ein schönes Foto, ein
Foto das viele Geschichten erzählen kann. Aber, es gibt viele
interessante Fotos. Wurde dieses von der
Unicef
ausgewählt um den Verbleib der Truppen, die Besetzung des
Landes zu legitimieren? Um uns besoffen zu machen, an unseren
Bauch zu appellieren, uns aufzufordern unsere Empörung
rauszuschreien? Um uns aufzufordern das Mädchen diesem „Wüstling“
und allen "Wüstlingen" zu entreißen?
Leon de Winter:
"Ich habe
keine Ahnung, wer wir sind. Aber ich weiß, dass unser Universum - das
nicht nur das Universum von iPods, Disneylands, CO2-Belangen,
Steuerabschreibungen und den Neujahrsrabattaktionen in unseren
Department Stores ist, sondern auch das Universum von Menschenrechten
- dass dieses Universum in seinem tiefsten Inneren getroffen worden
ist vom Leiden dieses einsamen, sehr einsamen Mädchens."
Ich habe
eine Ahnung wer wir sind. Wir glauben an die Menschenrechte.
Und wir werden sie verteidigen – als Teil unseres erlernten,
unseres verinnerlichten Ich. Bei UNS – immer und stetig.
Aber wir
werden auch die Freiheit verteidigen. Die Freiheit unser
Gesetzbuch für das für UNS richtige zu halten. Denn die
Gesetze hatten wir für UNS geschrieben.
Und die
Spanier für sich.
Und die Paschtunen für sich. |